Reisebericht Estland - Wälder & Moore
Estland - Wälder & Moore
06. August

Das Wetter lud an diesem Tag nicht gerade zum Wandern ein. Trotzdem machten wir uns mit dem Bus auf den Weg zum Endla Naturschutzgebiet. So gruselig, wie Moore manchmal dargestellt werden, war es zwar nicht, aber die Landschaft bekam durch den verhangenen Himmel schon ihren eigenen Reiz. Gut ausgerüstet mit Regenschutz und Picknickration starteten wir die mehrstündige Wanderung durch das Torfmoor-Gebiet. Während der Regen sein Übriges tat, gingen wir im Gänsemarsch über die Stege. Selbst im strömenden Regen war die Landschaft reizvoll anzusehen. Unter uns lagen tief braune Moorseen und Gräser, die schwer an den Regentropfen zu tragen hatten. Die bis zu hundert Jahre alten Kiefern sind nicht sehr groß gewachsen, da der Boden nährstoffarm ist und somit kein Wachstum ermöglicht. Da uns diese Moorlandschaft so fesselte und faszinierte, trotzten wir dem Regen, der teilweise sehr heftig war, und wanderten weiter. Einigen wurde es irgendwann doch zu nass, so dass sie umkehrten. Über die Stege war der Rückweg ja nicht schwer zu finden!
Während der Picknickpause leerten Rüdiger, Erdmute und Hiltrud das Wasser aus ihren Schuhen. Bedingt durch das Wetter konnten wir leider keine See- oder Fischadler, die hier beheimatet sind, sehen. Der Rückweg führte uns wieder durch Laubwälder, Erikabüsche und Wiesen, die wie Schwämme vom Wasser getränkt waren. Nun war es auch egal, ob man in eine Pfütze trat oder darüber sprang!
Als wir glücklich und nass das Naturschutzzentrum erreichten, hatte unser Busfahrer Ernst mit den Rückläufern den Ofen schon gestocht, so dass wir uns halbwegs trocknen und wärmen konnten. Bei einigen war sogar das Portemonnaie samt Inhalt durch und durch nass.
Für die Rückfahrt nach Tartu nahmen wir einen anderen Weg, um die Drumlinslandschaft zu sehen. Sie ist besonders interessant, weil sie sich durch lang gezogene Hügel und Seen auszeichnet. Diese sollen der Legende nach dadurch entstanden sein, dass der Riese Kalevipoeg (des gleichnamigen estnischen Volksepos) hier gepflügt haben soll.
Nach dem Abendessen waren wir schließlich damit beschäftigt unsere Sachen zu trocken.
07. August

Mit gepackten Koffern starteten wir diesen Tag in Richtung Pärnu. Auf halbem Wege besuchten wir den Soomaa-Nationalpark mit seinen Überschwemmungswiesen, Auenwäldern, Sümpfen und Hochmooren. Nach einem kurzen Besuch im Naturschutzhaus und einer Einführung in das zu sehende durch Olaf, wanderten wir zu einer Auenwiese. Auf dem Weg dorthin wurden wir durch schöne Schmetterlinge begleitet. Immer wieder konnten wir ungewöhnlich schöne Insekten sehen. Es war für uns unvorstellbar, dass die Wiesen im Frühjahr vollständig überschwemmt sind. Unter der Beobachtung zweier Störche nahmen wir unser Picknick auf einer frisch gemähten Wiese ein. Gestärkt brachen wir dann zum zweiten Teil der Wanderung auf. Nun ging es durch einen Auenwald, den nicht nur wir besonders reizvoll fanden, sondern auch zahlreiche Mücken! Wir wanderten entlang eines mäandrierenden Flusses, der der ideale Lebensraum für Biber ist. Tatsächlich trafen wir immer wieder auf Spuren von Bibern in Form von angenagten und umgefallenen Bäumen. Es stellte sich uns die Frage, was hier nachts los sein muss? Wahrscheinlich hört man das laute Nagen der Biber und das Krachen der Bäume, wenn sie umfallen.
Anschließend fuhren wir ein Stück durch den Nationalpark zu einem Hochmoor. Der dritte Teil der Wanderung führte wieder über Holzstege zum und durch das Hochmoor. Von einem Aussichtsturm hatten wir einen einmaligen Blick über das Moor, denn die Sonne tauchte die Landschaft in ein tolles Licht.
Torfmoose, Gräser, kleinwüchsige Moorbirken und Kiefern sowie dunkle Torfseen und der Sonnentau prägen die Landschaft und zogen uns in den Bann. Eigentlich wollte keiner so schnell wieder weg von hier und Olaf hatte seine liebe Mühe mit uns!
Nachdem wir uns im Hotel frisch gemacht hatten, besuchten wir in der Stadt ein russisches Restaurant. Das Interieur, die Musik und die in russischen Trachten gekleidete Bedienung versetzten uns geistig nach Russland. Der Inhalt der Speisekarte tat sein Übriges. So aßen wir Soljanka, sibirische Pilmeni und andere leckere Speisen, an deren Namen ich mich nicht mehr erinnern kann.
08. August

Bevor wir heute den beliebten Kurort Pärnu kennen lernten, fuhren wir in das Naturschutzgebiet Matsalu an der Westküste Estlands. Hier machten wir eine Bootsfahrt durch ein riesiges Schilfgebiet. Doch bevor es losging, mussten wir alle Schwimmwesten anziehen. Sodann führte uns der Weg durch bis zu 4 m hohes Schilf, vorbei an Seerosen und einer Biberburg. Während des Vogelzuges oder der Brutzeit müssen sich hier tausende Vögel versammeln, erzählte uns Olaf und der muss es als Ornithologe ja wissen! Wir sahen einige Blesshühner, Schwäne und Enten und waren mit dem Gesehenen sehr zufrieden.
Nachdem wir unser schwimmendes Fahrzeug wieder verlassen hatten, fuhren wir mit dem Bus zum Naturschutzhaus Matsalu, um dort die Ausstellung zu besuchen. In dem Haus erklärte uns ein estnischer Biologe, wie und warum Vögel beringt werden. Die Ausstellung veranschaulichte uns die Landschaft Estlands und den Lebensraum der hier beheimateten Tiere. Manche ausgestopfte Tiere konnten wir in Lebensgröße sehen, von denen Olaf uns erzählt hatte.
Im schönsten Sonnenschein nahmen wir hier noch unser Picknick ein, bevor wir nach Pärnu zurückfuhren. Nachdem wir mit dem Bus eine kurze Rundfahrt gemacht hatten und Olaf uns einige Informationen über die Stadt gegeben hatte (Rosa und mir imponierte am meisten die Sage über die Entstehung der Stadt!), zogen wir mit einem Stadtplan bewaffnet gruppenweise los. Neben der schönen Kuranlage, der russisch-orthodoxen Katharinenkirche, dem schönen Rathaus, der Elisabethenkirche und dem Roten Turm fielen uns selbst in der Stadt die typischen Holzhäuser ins Auge. Wir trafen immer wieder auf Finnen, die Pärnu zu ihrem Lieblingsurlaubsort gewählt haben - man muss ihnen Recht geben!