Reisebericht Estland - Wälder & Moore

Estland - Wälder & Moore

12. August

Bevor wir Kuressaare verließen, besuchten wir noch den Handwerkermarkt im Zentrum des Ortes. Die typisch estnische Handwerkskunst wurde uns hier in Form von Schnitzereien aus Wacholderholz (welches einen besonderen Duft verströmte), gestrickte Pullover, Socken und Mützen mit tollen Mustern. Als wir schließlich wieder den Bus bestiegen, hatte jeder von uns mindestens eine Tüte in der Hand.

Nun fuhren wir wieder in Richtung Osten, um mit der Fähre die Insel zu verlassen und dann nach Tallinn zu fahren. Selbstverständlich fuhren wir nicht auf dem direkten Weg nach Tallinn, sondern wir machten noch einen kleinen Abstecher zur estnischen Steilküste in der Nähe von Keila. Bei herrlichem Sonnenschein picknickten wir an der Steilküste mit Blick auf das Meer und genossen die Ruhe, die Sonne und das Picknick!

Die letzte Wegstrecke dieses Tages zog sich ein wenig dahin. Dennoch erreichten wir die Hauptstadt Estlands noch pünktlich genug, um die Stadtführung durchzuführen. Nachdem unsere Stadtführerin uns in der ehemaligen Hansestadt herzlich willkommen geheißen hatte, fuhren wir zu Schloss Kadriorg, der ehemaligen Sommerresidenz Peters des Großen. Das nordische Barockschloss ist wunderschön renoviert worden und somit ein Muss dieser Stadtrundfahrt. Dann fuhren wir ein Stück weiter bis zur berühmten Sängerbühne. Auf dieser riesigen Bühne treffen sich seit 1869 alle fünf Jahre Zehntausende Sänger und etwa 500.000 Zuhörer zum traditionellen Sängerfest. Im Juli 2004 wird dieses Fest wieder stattfinden! Wer die Gelegenheit hat zu dieser Zeit nach Estland zu reisen, sollte dies unbedingt tun, denn es muss ein gigantisches Erlebnis sein. Um uns einen Eindruck der estnischen Lieder zu vermitteln, sang uns die Reiseleiterin ein Volkslied vor. Tief beeindruckt setzten wir anschließend unsere Stadtführung fort. So fuhren wir mit dem Bus bis zum Jachthafen. Von dort aus, konnten wir auch die Ruine des Brigittenklosters (aus dem Jahre 1436) sehen.

Nun begann der Stadtrundgang per pedes durch die Altstadt, ausgehend vom Domberg. Die riesige Russisch-orthodoxe Aleksander-Nevskij-Kathedrale fiel uns sofort ins Auge. Dieser Bau passt im ersten Moment nicht so recht in die mittelalterlich geprägte Stadt, imponierte aber dennoch durch seine Größe und erstrahlte im frischen Farbglanz. Im Innenraum funkelte alles golden und die Ikonen waren nicht zählbar. Da die spätgotische Domkirche schon abgeschlossen war, gingen wir an einem Teil der Stadtmauer vorbei, durch kleine Gassen um von einer Terrasse aus einen tollen Panoramablick auf die Altstadt (Unterstadt) zu haben. Zwischen den Stadttürmen und den Kirchtürmen konnte man die Ostsee und den Hafen Tallinns sehen. Im Hafen lagen mehrere Kreuzfahrtschiffe, die an diesem Abend noch auslaufen sollten. Über den "kurzen Fußweg", einer absteigenden Gasse, gingen wir in die Unterstadt. Dabei kamen wir an einem Kanonenturm vorbei, der "Kiek in de Koek" heißt, weil man von ihm aus einen guten Ausblick in die Küchen der Unterstadt hat…!

Der Rathausplatz in der Unterstadt war schließlich unsere letzte Station der Stadtführung. Wie schon bei allen vorherigen Stadt- und Botanikführungen erzählte uns die Stadtführerin mit viel Vaterlandsliebe und -stolz über die Geschichte und Besonderheiten Tallinns. So erzählte sie uns zum Beispiel vom "Alten Thomas", dem Wahrzeichen der Stadt. Die gold glänzende Figur des Nachtwächters thront auf dem Rathausturm und leuchtet schon von weitem. Nachdem sie uns noch gute Tipps zur weiteren Besichtigung gegeben hatte, machten wir uns mit diesen ersten Eindrücken auf den Weg zum Abendessen. Dieses nahmen wir in einem netten Restaurant in der Nähe des Rathausplatzes ein. Das Personal fiel durch seine mittelalterlich geprägte Kleidung und durch die nette Bedienung auf. Satt und müde fuhren wir dann zu unserem Hotel, das etwas außerhalb der Altstadt lag.

13. August

Dieser Tag stand uns zur freien Verfügung. Nach dem Frühstück zogen wir also zu viert los, um mit dem Stadtbus in die Altstadt zu fahren. Unseren treuen Busfahrer Ernst, der uns die ganze Reise über chauffiert hatte, hatten wir nämlich am Vorabend schon verabschiedet.

Wir nutzten die Gelegenheit die Altstadt, nach der gestrigen Stadtführung, noch einmal intensiv zu erkunden. So begannen unseren Rundgang in der Unterstadt, wo wir ihn am Tag zuvor beendet hatten: auf dem Rathausplatz. Dieser ist gesäumt von repräsentativen Stadthäusern, die alle liebevoll renoviert worden sind. Eines dieser Häuser beherbergt die zu besichtigende Rathausapotheke, in der schon 1422 mit Heilmitteln gehandelt wurde. Von hier aus zogen wir gemütlichen Schrittes durch die zahlreichen Straßen und Gassen. Staunend standen wir immer wieder vor den schön hergerichteten Häusern und Kirchen. So auch vor der Heiliggeistkirche, die aus den Anfängen des 13. Jh. stammt. Oder vor den zahlreichen Gildehäusern (z.B. Goldschmiede, Hutmacher, Bäcker) die teilweise auch noch durch ihre außergewöhnlich schöne Jugendstilfassade bestachen. In einem dieser Jugendstilhäuser war eine tolle Konditorei, in der wir natürlich eine Leckerei kaufen mussten!

Auf unserem Weg trafen wir immer wieder auf die Stadtmauer, die einst 2,35 km lang war und heute immer noch stolze 1,85 km misst. Aber nicht nur die Stadtmauer zeugt von ihrer mittelalterlichen Herkunft, sondern auch die große unübersehbare Olafkirche mit ihrem hohen spitzen Turm. Sie gilt als das wichtigste mittelalterliche Bauwerk Tallinns! Olaf fühlte sich an dieser Stelle natürlich besonders geschmeichelt. Nur ein kleines Stück weiter steht ein weiteres Relikt aus dieser Zeit: die "Dicke Margarete". Sie ist ein dicker Geschützturm mit 155 Schießscharten, 5 m dicken Mauern und einem Durchmesser von 24 m. Der Name des Turmes erklärt sich somit von selbst! Nach so vielen Sehenswürdigkeiten hatten wir nun erst einmal das Bedürfnis nach einem Stuhl und einem Getränk!

Frisch gestärkt verließen wir die Altstadt, um außerhalb der Stadtmauer durch eine Grünanlage zu gehen. Von hier aus bot sich uns ein fantastischer Blick auf die Stadtmauer und es ließen sich fünf Türme in einer Reihe fotografieren! Von den 66 Türmen stehen heute noch 28. Über eine etwas steilere Gasse gelangten wir dann auf den Domberg. Der 45 m hohe "Lange Hermann" begrüßte uns mit der blau-schwarz-weiß gestreiften Staatsflagge. Da wir die Aleksander-Nevskij Kathedrale schon ausgiebig besichtigt hatten, gingen wir sofort zur Domkirche. Diese war erfreulicherweise offen, denn die vielen Adelswappen und steinernen Grabmäler sollte man gesehen haben. Außerdem zählt sie zu den ältesten Gotteshäusern Estlands. Bei leiser Orgelmusik verweilend, konnten wir uns hier ein wenig ausruhen.

Über den "langen Fußweg" verließen wir heute den Domberg, um wieder in die Unterstadt zu kommen. Wir gönnten uns den Besuch einiger Geschäfte, in denen schönes Kunsthandwerk angeboten wurde. Auffällig war das Angebot von Leinenwaren!

Zum Abschluss unserer Besichtigungstour gingen wir noch zur Nikolaikirche aus dem Jahre 1230. Sie steht leicht erhöht über dem Rathausplatz und ist heute ein Konzertsaal und stellt mittelalterliche Kunstwerke mit Altären aus. Hier ist beispielsweise der "Totentanz" von Bernt Notke aus dem 15. Jh. ausgestellt.

Bevor wir uns wieder mit den anderen Reiseteilnehmern trafen, setzten wir uns zur Stärkung noch in eine der zahlreichen Außengastronomien auf dem Rathausplatz. Nachdem alle wieder mit ihren gesammelten Eindrücken eingetrudelt waren, gingen wir in ein nettes kleines Restaurant, um dort zu Essen und den letzten gemeinsamen Abend zu verbringen.

14. August

Ein wenig Wehmut machte sich heute in uns breit, denn der Urlaub ging zu Ende. Von Erdmute, Rüdiger und Hiltrud hatten wir uns schon am Abend zuvor verabschiedet. Die drei mussten schon sehr zeitig aufstehen, da ihr Flugzeug nach Hamburg früh startete. Von Roswitha verabschiedeten wir uns dann nach dem Frühstück, weil sie ihren Aufenthalt noch um eine Woche verlängert hatte. Sie sollte mit einem Bus in den Lahemaa-Nationalpark fahren, unserem ersten Quartier. Da unser Flieger erst nachmittags startete, hatten wir noch einmal die Gelegenheit mit dem Bus in die Altstadt zu fahren. Wir waren der Stadt noch nicht überdrüssig und genossen die dort herrschende Atmosphäre in vollen Zügen. Außerdem wollten wir die restlichen estnischen Kronen ausgeben.

Als Erstes nahmen wir uns das Rathaus vor. Wir bestiegen über eine enge Wendeltreppe den Rathausturm bis zu seinem Renaissance-Helm. Von dort oben hatten wir tollen Blick über die gesamte Altstadt, auf den Hafen und auf den Domberg. Danach lockte uns eine mittelalterlich gekleidete Dame in das Innere des Rathauses. Neben einer Ausstellung über Tallinns Stadtgeschichte konnten wir auch den feierlichen, farblich gestalteten Bürgersaal im Obergeschoss sehen, sowie den Ratssaal mit schönen Gemälden und Schnitzereien.

Durstig und immer noch im Besitz einiger Kronen, ließen wir uns in einer Gaststätte auf dem Rathausplatz nieder. Langsam, aber sicher näherte sich der Zeitpunkt des Abschieds von dieser eindrucksvollen Stadt. Dies zeigte sich auch im Wetter, denn die Wolken wurden immer mehr und es begann schon leicht zu tröpfeln. So fuhren wir mit dem öffentlichen Bus zurück zum Hotel, wo schon der Bus auf uns wartete, der uns zum Flughafen bringen sollte. Da wir noch genügend Zeit und einige von uns immer noch estnische Kronen hatten, fuhren wir an einem Supermarkt vorbei. Jetzt war wirklich die letzte Gelegenheit das Geld loszuwerden. Getränke und Süßigkeiten waren der Renner.

Am Flughafen klappte alles reibungslos. Mit einem letzten sehnsüchtigen Blick aus dem Flugzeugfenster verabschiedeten wir uns von einem schönen eindrucksvollen Land. Ich war in diesem Moment mit Stolz erfüllt, Estland kennen gelernt zu haben. Denn jeder, der mich nach meinem Urlaubsziel gefragt hatte, hatte nach meiner Antwort zuerst gestutzt. Mithilfe einer kleinen geographischen Erklärung, wussten die Leute dann, wo ich hinfuhr. Nun weiß ich mehr zu berichten und kann jedem neugierig Gewordenen raten, diesen zukünftigen EU-Mitgliedstaat zu besuchen. Denn die verheißungsvolle Ankündigung im Reiseprospekt "Naturparadies im Baltikum - Moore, Wälder, Nationalparks" wurde mehr als erfüllt und bestätigt!

Wer nun neugierig geworden ist und nach Estland fahren möchte, kann sich an dieser Stelle schon einmal mit der Sprache vertraut machen. Die Aussprache ist recht lautgetreu und von daher nicht schwer!

Guten Tag! - Tere (päevast)!

Guten Morgen! - Tere hommikust!

Gute Nacht! - Head ööd!

Gute Reise! - Head reisi!

Auf Wiedersehen! - Nägemiseni!

Guten Appetit! - Head isu!

Bitte - Palun

Danke - Tänan

Entschuldigung - Vabandage

Bier - õlu

Wasser - vesi

eins - üks

zwei - kaks

drei - kolm

Auf geht's!

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