Extremadura-Andalusien-Reise vom 1999


7. Tag: Donnerstag, 9. März 1999

Landroverfahrt - 36 Buskilometer

Reiseleiter 7 Uhr ohne Frühstück Abfahrt nach El Acebuche". Hier im Info - Zenter gibt es Kaffee, zu dem wir unser Frühstückspäckchen aus dem Hotel verzehren. Sehr schön schaut es heute nicht aus. Dicke Wolken lassen Regen erwarten. Auf dem Parkplatz stehen große hochbeinige Allradfahrzeuge, die uns in den nächsten Stunden durch den National-Park fahren sollen

Durch Dünen erreichen wir bei Matalascanas die Atlantik-Küste. Viele Seevögel stehen entlang der Uferzone und lassen sich kaum sonderlich durch die Fahrzeuge stören: SeeregenPfeifer, Sanderlinge, Heringsmöwen, Brandseeschwalben und - für die meisten von uns sicher neu - Korallenmöwen.

Bald verlassen wir die Uferzone und fahren in das Dünengebiet, eine große ausgedehnte Fläche. Alte mit Kiefern bepflanzte Dünen wechseln ab mit fest vegetatiosfreien Wanderdünen, die ca.1m pro Jahr vormarschieren und alles unter sich begraben, --außer Wacholder. Der widersteht dem Vordringen des Sandes, indem er einfach mit den Dünen in die Höhe wächst und so immer ,obenauf" bleibt. Er muß also sehr tief gründen können. Alles ergibt ein buntes Bild aus Grüntönen, abwechselnd mit den gel-ben Wanderdünen und graueren Flächen mit niederem krautigen Bewuchs. Daß es in dieser Landschaft kräftige Kiefern gibt, die übrigens angepflanzt sind, um die Dünen zu befestigen, ist dem sehr hohen Grundwasserstand zu verdanken. Bis auf ca. 1 m unter Bodenniveau reicht hier im Nationalpark der Grundwasserspiegel. Binsen sind ein guter sichtbarer Hinweis auf Wasser.

Die "Coto Donana" wurde in der Vergangenheit speziel als Jagdgebiet des Königshauses (Donna Anna) genutzt. So finden sich hier Dam-, Rot- und Schwarzwild, das wir auch sehr schön aus dem Fahrzeug heraus sehen konnten. Außerdem gibt es im NP u.a. den Iberischen Luchs, den wir nicht zu sehen bekamen, da überwiegend nachtaktiv. Das es in Spanien außer im NP keine Luchse gibt, läuft dieser hier auch Gefahr ohne Menschenhilfe infolge Inzucht zugrunde zu gehen. Daher werden aus anderen Vorkommensgebieten der Erde Luchse importiert, um für neues Blut zu sorgen.

Die Gegend wird nun flacher und feuchter. wir erreichen die "Marismas". Ein flaches, feuchtes, marschähnliches Gebiet - ein bischen Heimatgefühl stellt sich ein. Die Sicht geht weit. Damit dieses Feuchtgebiet nicht versandet, wurden u.a. die bereits passierten Dünen bepflanzt. Von dem Dachgarten einer Info-Station gibt es einen guten Überblick auf dieses Areal.

Ein Kaiseradler fliegt vorüber und bäumt nicht sehr weit ent-fernt auf einer Pinie auf, wo er durch das Spektiv gut zu beobachten war. 13 Paare soll es im NP geben. Weiter geht unsere Fahrt. Rotwild - ein etwas schwacher Zwölfender - sowie Schwarzwild u..a. eine Bache mit nur einem Frischling und ein starker Keiler sind zu beobachten. Weiter sehen wir auch noch ein Rudel Damwild.

Es qualmt! Wir erreichen ein kleines 'Museumsdorf'. Es ist heute eine Köhlerei, in der mehrere Meiler in unterschiedlichen Fertigungszuständen stehen. Ein Meiler qualmt, ein anderer ist bereits auseinandergerissen. Ein anderer sortiert Holzkohlebrocken, die uns evt. daheim als Grillkohle wiederbegegnen könnten. Ein Meiler kokelt etwa 7 Tage, bis die Kohle fertig ist. Hier stehen nun mehrere aus Holz und "Gras" gebaute Hütten, die früher Fischern und heute den Köhlern als Unterkunft dienen.

An diesem Museumsdorf haben wir den südlichsten Punkt dieses Teiles des NP erreicht. Auf der anderen ostwärts gelegenen Seite der Mündung des "Gualdalquivirs" liegt "San Lucar de Barrameda" von wo gerade ein Fährschiff Touristen ins Köhlerdorf heranbringt.

Unsere Rückfahrt beginnt entlang der Atlantik - Küste geht zügig nach Norden. Viele Muschelfischer stehen z.T. bis an die Taille im flachen, leicht bewegten Wasser des Atlantiks, um mit einem Spezialgerät vom Meeresboden Muscheln zu ernten. Ein mühsamer, kühler Job. Es hat den Anschein, daß die Ausbeute an gewünschten Muscheln doch recht mäßig ist. Der größte Teil der Beute ist wohl wertloser Beifang. Aber die richtige Muschel soll einen guten Preis bringen. Sie wird in Gaststätten etc. landen. Irgendwie muss sich dieser "Nebenerwerb" denn wohl doch lohnen.

Ein Gleitaar ist kurz zu sehen, bevor er wieder in den Dünen verschwindet. Am Spülsaum der Küste sehen wir wieder die uns schon bekannten Seevögel zuzüglich einiger weiteren Arten wie nun Lachmöwen, Austernfischer u.a. Bald endet dann unsere Tour wieder beim Infohaus des NP. Tische und Bänke unter Pinien im Park laden ein, unsere Mittagspause dort zu machen. Danach gibt es "Freizeit".

An einer Lagune im Park des Infohauses gibt es Gelegenheit aus mehreren Unterständen heraus Beobachtungen zu machen. Wir sehen viele Zwergtaucher und auch einige Kolbenenten. Besonders schön können wir mehrere Bekassinen beobachten, wie sie unermüdlich im flachen Wasser der Lagune nach Nahrung herumstochern.

Mittlerweile ist es 17.00 Uhr geworden, Zeit für die Heimreise ins Hotel.


8. Tag: Mittwoch, 10. März 1999

Marismas del Odiel - 176 Buskilometer

Morgens beim Frühstück in El Rocio bekommt Olaf Wuppermann von einem befreundetem Ornithologen einen Telefonanruf: Das Kammbleßhuhn sei zu sehen! Alle Interessierten haben es eilig, diesen seltenen Vogel im Spektiv genauer zu beobachten.

Später holen wir die Gruppe ab und fahren mit dem Bus auf der A 494 in Richtung Huelva. Unterwegs säumen Orangenplantagen, Pinien, Rosmarin, gelber und weißer Ginster und Eukalyptushaine den Weg, ferner große Flächen unter Folie.

Die Provinzmetropole Huelva mit 140.000 Einwohnern liegt im Westen Andalusiens am Zusammenfluß von Rio Odiel und Rio Tinto, nicht weit entfernt von ihrer Mündung in den Atlantik. In der Sierra Morena und im ariden Südosten werden Edelmetalle, Kupfer, Pyrit, Eisen, Zink, Blei und Anthrazit gefördert. Der Bergbau in der Provinz Huelva hat eine lange Tradition. Den Hafen nutzten schon Phönizier und Römer, um die in der Umgebung angebauten Bodenschätze zu verschiffen. Zur Küsten- und Hochseefischerei kommt die Aufzucht von Fischen und Schalentieren in künstlich angelegten Brutteichen, besonders in der natürlichen Langunenlandschaft der Küsten von Cadiz und Huelva. Bedeutend ist auch der Thunfischfang, die Sardinenfischerei und die angeschlossene Fischkonservenindustrie.

Mit der Ansiedlung von Raffinerien und anderen petrochemischen Industrien, die auch eine unkontrollierte Bautätigkeit zur Folge hatte, hat sich die Umweltsituation um den Hafen herum dramatisch verschlechtert. Huelva ist aber auch gleichzeitig ein guter Ausgangspunkt für einen Besuch des einzigartigen Naturschutzgebietes Coto de Donana/Costa de la Luz. Südlich der Stadt gibt es ein ausgedehntes Biophären-Reservat, d.h. menschliche Tätigkeiten, deren Auswirkungen und Natur sind hier zusammengeführt.

Auf gut geteerter , aber schmaler Straße fahren wir mit dem Bus an den Salzwiesen, den Salinen, vorbei und dürfen nur an bestimmten Stellen aussteigen.

Wir befinden uns in den Marismas del Odiel, das sind die Überschwemmungsflächen im Übergangsbereich von Süß- und Salzwasser, beim Odielfluß besonders großflächig ausgeprägt. Auf den Schlickflächen sehen wir Limicolen, Reiher und rosa Flamingos stehen in nächster Nähe Schwerindustrie neben Naturschutz. Gegenüber, unmittelbar unterhalb Huelvas ragen verrostete Schiffsrümpfe aus dem Wasser.

Wir fahren weiter auf einer Landzunge, die sich über viele Kilometer ins Meer zieht. Hier kann man gut mit dem Fernglas die Flachwasser-, Salinen- und Sanddünenbereiche absuchen. Die Vegetation wird dominiert durch das Gras "Spartina densiflora1" und den Queller "Salicomica ramosissima". Auf der streng geschützten Insel "Isla de Enmidio" brüten 300 Paare Löffler, mehrere 100 Paare Seidenreiher, sowie Purpur- und Graureiher.

In besonderer Erinnerung bleiben uns die Regenbrachvögel, das gelbe Greiskraut und die gelbe Cistanche. Der weite Sandstrand hinter den Dünen ist übersät mit unvorstellbar vielen, unterschiedlichen Muscheln, für die meisten von uns ein beliebtes Mitbringsel. Bis 13.00 Uhr picknicken wir mit Vorräten aus dem Rucksack, dann geht die Fahrt zurück über den Rio del Tinto, und wir sehen noch einmal das martialische, 34 m hohe Kolumbusdenkmal von 1929.

Auf dem Rückweg fahren wir noch einmal an ausgedehnten Ferienkolonien vorbei, biegen in Matalascanas ab und haben zur Rechten die bis zu 40m hohen, begrünten Dünen im Hintergrund. Am Anschluß daran haben wir nachmittags bei schönem Wetter noch die Möglichkeit, bei El Rocio aus den Hütten heraus zu beobachten. Besonders imposant das Purpurhuhn.