Reisebericht Extremadura - Andalusien - Reise
Extremadura-Andalusien-Reise
9. Tag: Donerstag 11. März
El Rocio-Sevilla-Ronda - 217 Buskilometer
9 Uhr Abreise aus El Rocio, Abschied von der Donana und vom Hotel Puente del Rey. Unser nächstes Ziel sollte Ronda sein. Wir kamen durch den bekannten Weinort Bollulos del Condado und wollten in Sevilla eine Stadtbesichtigung machen.
Sevilla ist der Regierungssitz von Andalusien und hat 700 000 Einwohner. Es wurde von den Phöniziern gegründet und von Römern, Mauren und später im Laufe der Jhrd. von christlichen Königen beherrschte Im 11 Jhrd. war es Sitz der Almohaden-Dynastie. Aus dieser Zeit stammen bekannte Bauwerke im maurischen Stil. Im 13.Jhrd. eroberte es Ferdinand III. für die Christen zurück und die folgenden christlichen Herrscher genossen den Luxus der arabischen Stadtanlage. Im 16. Jhrd. war Sevilla die reichste Stadt Spaniens. Kommt man von Norden in Sevilla an, so sieht man auf der Insel Cartuja die Gebäude der Expo 92. Weiter südlich Sevillas Stierkampfarena. Sie ist berühmt und eine der ältesten des Landes. Die Torre del Oro (Goldturm) am Gualdaquivir gelegen, wurde von den Almohaden als Wachtturm erbaut. Der Name soll auf das ursprünglich mit Goldplatten belegte Dach zurückgehen. Ein legendäres Gebäude aus neuerer Zeit ist die Tabakfabrik, (jetzt Universität), welche Bizet für seine Oper Carmen verewigt hat. Auf dem gegen-überliegenden Ufer des Gualdaquivir die Plaza de Espana und die Parkanlage mit dem Ausstellungsgelände der Ibero-Amerikanischen Ausstellung von 1929. Am Nobelhotel Alfonso XIII. ebenfalls für die Ibero-Amerikanische Ausstellung erbaut, begannen wir unseren Rundgang. Beeindruckend die Kathedrale, die größte gotische Kir-che der Welt. Der Glockenturm, die Giralda, 97m hoch, ist das Wahrzeichen Sevillas. Zu maurischer Zeit war sie das Hauptminarett der alten Moschee. Man betritt die Kathedrale durch den Orangenhof, auch ein Relikt aus maurischer Zeit. Sie birgt die Gebeine einiger Könige und Kunstschätze von unsagbarem Wert. Das monumentalste Grabmal ist jedoch einem Seefahrer geweiht. Den Sarkophag des Christoph Kolumbus tragen 4 Herolde. Sie symbolisieren die Königreiche Kastilien, Leon, Aragon und Navarra.
In Nachbarschaft zur Kathedrale befindet sich der Alcazar, die ehemalige Residenz der Emire mit seinen Innenhöfen und Gärten. Er wurde von den christlichen Herrschern umgebaut und ist heute eine Mischung aus. Mudejar- und maurischem Stil. Hinter dem Alcazar beginnt die idyllische Altstadt Santa Cruz mit ihren kleinen Restaurants und Läden. Am Nachmittag setzten wir unsere Weiterfahrt fort und kamen um 19 Uhr bei Regen und Sturm in Ronda im Hotel Polo an.
10. Tag: Freitag. 12.März
Ronda - El Chorro - Naturpark Torcal de Antequera - 267 Buskilometer
Wir starteten um 9.00 Uhr aus Ronda in nördlicher Richtung. Unser Ziel war der Naturpark "Torcal de Antequera", ein geologisch sehr interessantes Gebiet. Es war ein kühler Morgen, aber die Sonne zeigte sich bereits. Während der Fahrt erfuhren wir, daß an diesem Tage die Ehrung eines verstorbenen berühmten Stierkämpfers stattfinden sollte. Der Stierkampf hat in Ronda eine große Tradition und hier befindet sich auch die älteste Stierkampfarena. Nachdem wir die Stadt hinter uns gelassen hatten, kamen wir in eine Landschaft, die immer gebirgiger wurde. Das Gebiet war dünn besiedelt, einzelne Bauernhöfe und auch verlassene Häuser waren zu sehen. Auf den kargen Flächen weideten Schafe und Ziegen; den wohlschmeckenden Käse hatten wir bereits kennengelernt. In der Ferne tauchten gewaltige Berge auf, bizarre Felsformationen. Einzelne Berggipfel befanden sich in den Wolken. Da-zwischen sahen wir in tiefe Schluchten und hatten herrliche Ausblicke in die Landschaft. Berge und Täler waren z.T. mit Pinien aufgeforstet. Zu beiden Seiten der Straße blühten gelber und weißer Ginster, Rosmarin, Affodill und ganze Flächen voller leuchtend blauer Zwergiris. Wir fahren durch eine Eukalyptusallee und erblickten im Tal die leuchtend weißen Häuser des Dorfes El Burgo, umgeben von blühenden Pfirsichbäumen. Im Ort angekommen, gab es zunächst ein Palaver mit Dorfbewohnern wegen des weiteren Streckenverlaufs. Es stellte sich heraus, daß die Straße wegen vorangegangener Regenfälle nicht passierbar war. Also mußte die Route geändert werden. Die kurvenreiche Straße führte durch ein landschaftlich intensiv genutztes Ge-biet mit Olivenplantagen, Getreide- und Bohnenfeldern, Spargel- und Erdbeerbeeten unter Folie. Auf den Äckern lagen Bewässerungsschläuche.
Den Ort Serrato ließen wir links liegen und fuhren in Richtung Campillos. Wir überquerten den Rio Guadalteba und sahen links einen See liegen. Unsere Straße führte über den Rio Turon und dann entlang eines Stausees mit türkis-blauem Wasser. Wasservögel konnten wir außer einigen Möwen nicht erblicken. Die Straße schraubte sich in die Höhe - bis El Chorro waren es noch 6 km. In Serpentinen ging es wieder bergab und Moriano bewies, daß er gut und sicher fährt. Zu beiden Seiten der Straße standen Orleanderbüsche und hier wuchs auch die Mittelmeerkiefer. Zur Linken sahen wir eine Schlucht, in deren Tiefe der Rio Guadalhorce floß. Wir waren in das Gebiet des El Chorro angekommen.
Im Chorrogebiet finden sich tertiäre Sedimente (Konglomerate), die einer starken Flußerosion; ausgesetzt waren und viele Höhlungen und Auswaschungen aufweisen. Die diversen Schichten sind zudem mehrfach gefaltet und verworfen. Die Chorro-Schlucht selbst ist jedoch ein tektonischer Bruch, in den der Guadal-horce, aus der Ebene aus Antequera kommend, einen Durchfluß zum Meer gefunden hat, und diesen dann lediglich vertiefte. Nördlich der Schlucht fließen die Flüsse Guadalteba, Turon und Guadalhorce zusammen und bilden vier Stauseen. Die Seen dienen der Bewässerung, des unterhalb gelegenen Guadalhorce-Tals, in dem hauptsächlich Zitronen und Apfelsinen angebaut werden.
Hier machten wir einen Aufenthalt und gingen zuerst einen Weg hinauf zur Schlucht und blickten in das grüne Wasser des Stausees. Eine Eisenbahnstrecke führte durch das Gebirge, und wir sahen in einen Tunnel, aus dem gerade ein Zug, beladen mit PKW's, herausfuhr. Ein schmaler Pfad führte an den Felswänden entlang und erschloß die Schlucht für Wanderungen. Wir beobachteten hier Gänsegeier, Alpenkrähen, Felsenschwalben, Trauersteinschmätzer und Zippammer. Am Wege blühten Malven, nickender Sauerklee, Lavendel, Hornklee; außerdem wuchsen hier Pfefferbäume, Rizinussträucher und Aloepflanzen. Eine große Ziegenherde kletterte geschickt den steilen Berghang hinunter und lief begleitet von einem Hütehund, eilig talwärts. Wir nahmen unser Mittagsmahl bei strahlendem Sonnenschein auf der Terrasse einer kleinen Campingplatz-Gastätte ein. Gegen
14.00 Uhr verließen wir die El-Chorro-Schlucht und fuhren am Rio Guadalhorce entlang.
Zur Rechten fiel unser Blick auf den kleinen Ort Alora. Die Gärten der Häuser waren von wunderschönen Geranienhecken umgeben. Wir verließen den Ort in Richtung Antequera.
Um 15.30Uhr erreichten wir den Naturpark Torcal de Antequera. Es handelt sich um ein Kalksteinplateau. Ungeheure Druckeinwirkungen haben die Kalkschichten gepreßt und verformt, wobei sich Risse und Spalten bildeten, die durch eindringendes und gefrierendes Wasser vertieft werden. Die Kalkschichten, aus denen die Felsen aufgebaut sind, haben keine homogene Struktur und sind unterschiedlich resistent gegen Frostsprengung. Auch die Verkarstung konnte in den Rissen tiefer vordringen. Als Resultat finden sich heute die typischen, wie aufeinandergeschichtet wirkenden Plattenformationen.
Am Informationszentrum verließen wir unseren Bus. Wir hatten 2 1/2 Stunden Zeit und brachen zu einem Rundgang auf markiertem Wege auf. Es bot sich ein überwältigender Anblick. Gebilde wie Pilze oder Hüte erhoben sich am Wege. Mit etwas Phantasie erinnerten viele Felsformationen an Skulpturen oder Tiere. Die höchste Erhebung in diesem Naturpark ist immerhin 1369 m hoch. Wir konnten auch einige Pflanzenarten bestimmen: Verschiedene Wolfsmilchgewächse, stinkende Nieswurz und das Riesenknabenkraut. Vor dem Informationszentrum beobachteten wir über einen längeren Zeitraum Alpenbraunellen, die sehr zutraulich waren. Um 18.00 war Start zur Rückfahrt nach Ronda.
Im Dunst der Ferne erblickten wir das Mittelmeer. Beim durchfahren von Antequera fiel unser Blick auf die hochgelegenen Ruinen des maurischen Kastells. Kurz vor Campillos lag ein Salzsee, der Fuente de Piedra, dessen Salzgehalt sehr hoch ist. Hier soll eine Brutstätte der Flamingos sein. Nach Almargen begann es zu regnen. Wir verließen die Hauptstraße. Die gebirgige Strecke führte zum Ort Canete la Real, dessen enge Straßen große Anforderungen an Marianos Fahrkünste stellten.
Gegen 20.OO erreichten wir Ronda. Wegen der Byrcbursfeierlichkeiten für einen bekannten Stierkämpfer waren die mittlerweile dunklen Straßen Rondas stark bevölkert, und unser Bus musste uns schon weit vor dem Hotel ausladen. Inzwischen hatten wir Besuch gehabt: Das Ehepaar Welzel aus Kiel, das an der Küste Urlaub machte, war leider längst wieder abgefahren, als wir zu so später Stunde im Hotel eintrafen.
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