Naturschätze der Provence
Naturschätze der Provence
Sonntag, 27. April (203 km)
Am Morgen schien wieder die Sonne und wie gewohnt fuhren wir um 9:00 Uhr los, um 10:15 Uhr waren wir am östlichen Ende der Alpilles in Mallemort, um dort einzukaufen.
Bei einem Ponyhof in der Nähe von Merindol wurde der Bus geparkt und wir wanderten zu einem observatoire ornithlogique an die Durance. Einige Exemplare einer Ragwurz blühten, aber vogelmäßig war wenig los (Seeschwalbennest). Um 12:30 Uhr fuhren wir weiter zur Gorge de Regalon, wo wie wir viele Leute durch ein Bachbett aufwärts in eine schmale Schlucht wollten.
Es war eine beeindruckende, aber auch anstrengende Wanderung von hellem Grün im Licht in einen dämmrigen schmalen Gang hinein, über uns nur ein Streifen blauer Himmel. Es ging durch eine dunkle Höhle, an deren Dunkelheit sich unsere Augen erst gewöhnen mussten, und dann zwängten wir uns durch einen sehr engen Spalt mit beklemmenden Passagen. Große rutschige Steinstufen erschwerten das Weiterkommen und über uns im Spalt eingeklemmt hingen zwei Felsbrocken. Als ein Weiterkommen dann immer beschwerlicher wurde, drehten wir um und wanderten die ganze Strecke bachabwärts wieder zurück. Um 14:30 Uhr nahmen wir auf dem Parkplatz unser wohlverdientes Mittagsvesper zu uns. Danach ging es über Eyguieres auf der schnurgeraden N113 weiter, bei St-Martin-de Crau Richtung Etang des Aulnes und auf einer kleinen Straße nach Vergiere in die nördliche Crau hinein. Dort, wo noch viele Bäume waren, sahen wir einen Schmutzgeier in der Ferne. In der eigentlichen Steppe mit ihren vielen Steinhaufen sangen Feldlerchen und ab und zu rief auch etwas anderes. Im Spektiv sah man ein Etwas mit Schnabel, das sich bewegte, aber war dies der gesuchte Triel? Nach langem Hin und Her und Weitersuchen hatten wir endlich einen eindeutigen Triel im Spektiv und konnten beruhigt die Rückfahrt antreten. Kilometerlange Staus der Sonntagsausflügler vom Strand gab es auf der D570, wir fuhren zum Glück in die andere Richtung und hatten keinerlei Probleme. Da das Abendessen (Lamm) sich wieder mal in die Länge zog, schoben wir die Vogelliste bereits nach der Vorspeise ein.
Montag, 28. April (153 km)
Heute frühstückten wir bereits um 7:15 Uhr, damit wir um 8:00 Uhr Richtung Crau losfahren konnten.
Heute ging es in den südlichen Teil, wo wir bei Fos-sur-Mer eine eigentlich verbotene Privatstraße Richtung Flughafen Istres nahmen. In der Steppe sangen wieder die Feldlerchen, jede Menge Elstern hüpften umher, aber es gab auch Triele, Steinschmätzer und wie erhofft die Zwergtrappen am Zaun des Flughafens, die im Spektiv gut zu sehen waren. Um 11:45 Uhr ging es weiter Richtung Port-St.-Louis und mit der Fähre für 4 € in 2 Minuten über die Grand Rhone nach Salin-de-Giraud, wo wir erstmal einkauften. Eine interessante und für Michael ziemlich anstrengende Strecke auf dem Deich Digue a la Mer schloss sich an. Sehr windig war es da draußen, so dass wir unsere Mittagspause in den Windschatten des Busses verlegen mussten. Um uns herum flogen Flamingos und Zwergseeschwalben. Unsere Wanderung am Leuchtturm Phare de la Gacholle vorbei und bis zum Strand dauerte rund eine Stunde, der Rückweg gegen den Wind war anstrengender. Um 16:20 Uhr fuhren wir zurück und brauchten für die ersten 3 km auf der schlaglochübersäten Piste eine Viertelstunde.
An einer interessanten Stelle stiegen wir uns und konnten Flamingos im Flug direkt über uns beobachten. Im flachen Wasser liefen See- und Sandregenpfeifen sowie Zwergstrandläufer und ein einzelner Alpenstrandläufer umher. Wir hatten aber noch nicht genug gesehen und suchten die uns von einem belgischen Ornithologen schon vor Tagen genannte Linkskurve im Marais Fielouse auf, wo tatsächlich neben vielen Stelzenläufern, zwei Weißstörchen und vier Rallenreihern die versprochenen Sichler (sogar fünf Stück!) in der Wiese umherstolzierten. War das ein erfolgreicher Tag! Doch es sollte noch besser kommen, der eindeutige Höhepunkt waren zwei wunderschöne Blauracken, die fliegend, auf dem Boden sitzend, in die Bäume fliegend und wieder weg flatternd eine herrliche Vorstellung boten. So waren wir erst um 19:10 Uhr zurück im Hotel, wo es ein Abendessen mit Salat, Fisch, Gemüse und Obst gab. Am Abend vorher hatten wir uns ja einmal etwas Fleischloses gewünscht.
Dienstag, 29. April (200 km)
Während sich alle anderen auf Avignon und den Pont du Gard freuten, blieb Friederike Strauß im Bett und brach nach einem späten Frühstück mit Spektiv und Fernglas auf, um die nähere Umgebung des Hotels zu Fuß zu erkunden. Schwierig war es, Wege etwas abseits der Straßen zu finden, die nicht gesperrt waren. Direkt hinter dem Hotel liegen von Schwertlilien gesäumte Teiche, auf denen sich u.a. Seiden- und Silberreiher, Höckerschwan und Lachseeschwalbe aufhielten. Rohrweihe, Mäusebussard, Schwarzmilan waren in der Landschaft zu beobachten und auch Bienenfresser flogen rufend durch die Luft. Von der Straße Richtung Cabanes konnte sie noch schöne Beobachtungen machen wie Grauammer, Wiedehopf, Rotkopfwürger und Schwarzkopfmöwe.
Für alle anderen Teilnehmer stand heute der Pont du Gard auf dem Programm. Wir fuhren über Beaucaire, einem schönen Städtchen mit dem mitten im Ort gelegenen Jachthafen.
Das riesige Aquädukt über den Gardon beeindruckt wohl jeden, der es zum ersten Mal sieht. Es gibt unterschiedliche Zeitangaben über die Errichtung dieses monumentalen Bauwerks, aber fest steht, dass es vor ca. 2000 Jahren von den Römern errichtet wurde. Es handelt sich hier um eine Wasserleitung, die Frischwasser von Uzès nach Nimes geführt hat. Auf seinem 50 km langen Weg betrug das Gefälle nur 17 m, was 34 cm Gefälle pro km bedeutet.
Bei einem Spaziergang am Ufer entlang konnte man noch die Spuren des Unwetters vom letzten Sommer erkennen.
Weiter ging es nach Avignon, wo wir bis 15:30 Uhr Zeit hatten, um die Stadt anzusehen. Wir parkten im Angesicht der Pont St-Bénézet, die durch das Lied "Sur le pont d'Avignon" weltberühmt wurde, obwohl man damals unter dem pont tanzte. Die Stadt wird dominiert von dem riesigen Papstpalast, der von der Unesco in das Weltkulturerbe aufgenommen wurde. Nach einem kurzen, einführenden Stadtrundgang mit Olaf hat sich dann jeder selber ein Bild von der Stadt gemacht und sich auch selber verpflegt.
Unser Heimweg führte uns über die östliche Grand Camargue. Bei Gageron - nicht weit vom Hotel entfernt - konnten wir in einem bewässerten Reisfeld noch sehr schön Schwarzkopfmöwen und Bruchwasserläufer beobachten. Auch Bienenfresser zeigten sich wieder. Kurz vor dem Hotel trafen wir auf Friederike, die ihre Selbsterkundungstour abbrach und mit uns zum Hotel fuhr.
Zum Abendessen wurden wir nicht zu den Pferden auf die Weide geschickt, sondern bekamen feine Tagliatelle mit légumes - fleischlos, wie wir es uns gewünscht hatten. Auf dem Nachtischteller war ein Schokoladenvogel. Jean-Pierre freute sich sichtlich, dass wir das Kunstwerk gleich erkannt haben. So schnell waren wir auf dieser Reise noch nie mit dem Abendessen fertig gewesen, so dass wir nach der Vogelliste Zeit hatten, über mögliche nächste Reiseziele zu diskutieren.