Gotlandreise der Vogelschutzgruppe Eutin-Malente

Gotlandreise der Vogelschutzgruppe Eutin-Malente

3. Tag: Donnerstag - 29. Mai

Freilichtmuseum Bunge - Insel Farö - 136 Buskilometer

Maikühle umfängt uns, aber der gemeinschaftliche Tag beginnt fröhlich. Mit regelmäßiger Selbstverständlichkeit hat Frau Wehe an diesem Tag Geburtstag. Geschlossen wird das Geburtstagsständchen in einem chorreichem Kanon gesungen und vielen Glückwünschen, verbunden mit vielen anderen guten Wünschen für das neue Lebensjahr, mit Blumensträußen überbracht. Ja,

"Wer im Mai geboren ist den hat der Frühling Wachgeküßt, und mag auch kommen Sturm und Wind man ist und bleibt ein Frühlingskind"

Doch dann geht es gleich los ins Naturreservat Klinten-Klinten. Noch vor 10.000 Jahren war Gotland ganz vom Wasser bedeckt. Durch Landhebung stieg die Insel aus dem Wasser und der frühere Meeresgrund aus Korallen, Muscheln usw. steht jetzt mitten im Land. Durch Witterungseinflüsse haben sich urige Figuren gebildet, Raukare genannt. Weil es die ersten sind auf der Reise werden sie betastet, bestaunt und fotografiert. Ein tolles Erlebnis, auch wenn die Orchideen bald das größere Interesse finden.

Die Kirche in Othem ist das nächste Ziel, aber leider geschlossen. So geht es früher als geplant nach Bunge, dem wichtigsten Museum Gotlands zur Erhaltung der gotländischen Kultur. Unter sachkundiger Führung von Herrn Borck gehen wir die einzelnen Stationen durch. Ich erinnere an:

  • Den Schleifstein für Schwerter;
  • die verschiedenen Steingräber (Schiffssetzung, Steinhügel usw.);
  • die Bildsteine in Pilzform (die Bilder von 700 - 1000 n. Christus sind im oberen Bereich den Göttern gewidmet);
  • die Runensteine;
  • die Sauna;
  • den Einbaum;
  • die Köhlerütte zur Holzteergewinnung;
  • die Holzmeiler zur Holzkohleherstellung;
  • die achteckige Wassermühle mit Gattersäge wie Windmühle mit Gattersäge;
  • die Tierschutzhütten;
  • die Bauernhöfe mit Wohnteil, Handwerksräumen, Ställen Scheune und Dreschgöbel,
  • sowie Handwerkszeug und den täglichen Gebrauchsgegenständen.

Alles eingefaßt in landestypische Holzgitter. Es ist schon beeindruckend für uns alle.

Weiter geht es nach Farösund und mit der Fähre auf die Insel Farö. Wir fahren durch eine Heidelandschaft mit auffallend vielen Schafen und eingelagerten Seen. Erst seit dem 1.1.97 wurde diese Insel, in Erwartung der Vogelschutzgruppe Eutin-Malente, wieder vollständig für Touristen geöffnet. Die Vogelbeobachtungen an den Seen sind wenig ergiebig. Also schnell nach Digerhurud an die Ostseeküste. Die gewaltigen Raukare sind unser Ziel und wir klettern darin herum.

Der wolkenverhangene Himmel gibt nicht das optimale Licht zum Fotografieren, und alle sind winterlich angezogen. Auch der Cidre, von Frau Wehe ausgegeben, hat gut geschmeckt, aber wenig erwärmt. Dafür hatte es reichlich Nachwuchs gegeben bei Eiderentens und die Fürsorge der Mütter und Kindertanten beeindruckten uns sehr.

In Langhammar gab es erstmal heißen Kaffee von Frau Berg. Herr Berg verteilte dann den von seiner Frau gebackenen Kuchen. Ein fürsorglicher Busfahrer ist Herr Berg schon! Neu gestärkt und gut gelaunt ging es auf die nächsten Rau-kare los, und siehe da, nun waren es mit einem Mal die schönsten von ganz Gotland. Was Kaffe und Kuchen doch alles bewirken!

Wie schon gesagt an den Binnenseen war die Vogelwelt nicht nach unseren Vorstellungen. Am Anäsaträsk (Träsk - See) war gar nichts los, und am Mölnorträsk konnte man wenigstens mit dem Spektiv einiges ranholen.

Vor dem 1.1.97 mußten Ausländer eine Genehmigung einholen um auf die Insel zu kommen und bedurften einer Führung durch Einheimische.

Mit der Fähre ging es dann wieder nach Farösund zurück und erneut wurde die Kirche von Othem angesteuert. Wieder Fehlanzeige!! In der Nachbarschaft beim Küster und Pastor war niemand zu Hause. Enttäuscht fuhren wir nach Aminne (minne = Mündung) zurück. Aber wir sollten im Verlaufe der nächsten Tage noch viele schöne Kirchen sehen!

Alle waren dankbar für diesen schönen und ereignisreichen Tag.

4. Tag: Freitag - 30.Mai.

Stadtführung Visby - Trojeburg - N.G.Brucebo - St. Hästnäs - Bro - 120 Buskilometer

Die Exkursion dieses Tages begann in Visby. Am "Donners - Plats" vor dem ehrwürdigem gelten Haus der Kaufmannsfamilie Donner begrüßte uns der schwed. Stadtführer (Akademiker). Er erläuterte die Geschichte Visby. So lassen sich z.B. erste Siedlungsspuren in der Jungsteinzeit nachweisen. Bedingt durch die günstige Lage des Hafens war Visby seit dem 12 Jh. Stütz- und Treffpunkt der Kaufleute in der Ostsee, im 13. und 14. Jh. sogar das Hauptkontor des Ostseehandels der Hanse. 1361 fiel Visby an Dänemark und gehört seit 1645 zu Schweden.

Der Rundgang begann am "Almedalen", dem ehemaligen Hansehafen. Von hier bot sich das wundervolle Panorama - die Türme der Kirchenruinen, Treppengiebel der Packhäuser, die schwarzen Hauben der Marienkirche und im Vordergrund die ursprünglich am Wasser gelegene Stadtmauer. Durch die Fiskarporten gelangten wir zum "Kruttornet" (Pulverturm, im Mittelalter noch Strandturm genannt), der vermutlich im 12 Jh. errichtet wurde, also noch vor dem Bau der 3,5 km langen Stadtmauer. Durch idyllische Gruben ("Grän") erreichten wir den botanischen Garten mit seinen Rosenbeeten und - ungewöhnlich für die nördliche Lage - seinen Akazien, Kastanien und Magnolien. Die efeubewachsenen Reste einer Kirche, St.Olof, aus dem 13.Jh ergänzten den romantischen Eindruck. St. Nicolai, die Kirche der Dominikaner, eine langgestreckte Ruine mit seinen Backsteinrosetten an der Westseite, dann die Ruine St. Clemens, eine der ältesten Gemeindekirchen der Stadt und die Heilig-Geist - Kirche, baulich beeinflusst von der Aachener Pfalzkapelle (zweistöckiger, oktogonaler Bau), waren Stationen auf dem Weg zur Domkirche St. Marien. Ursprünglich eine deutsche Kirche, ist sie, als einzige der mittelalterlichen Gotteshäuser vollständig erhalten. Von ihrer Weihung um 1225 an hat sie ständig Erweiterungen und Umgestaltungen bis in das 19. Jh. erfahren.

Am "Stora Torget" verabschiedeten wir uns von unserem exzellenten Stadtführer.

Nach der Mittagspause begann von dem am "Österport" gelegenen Parkplatz aus die Fahrt in den süd./östl. Teil Visbys zum "Valdemars Kors" bei "Kloster Lunden". Auf dem Massengrab der am 27. Juli 1361 Gefallenen sahen wir das steinerne Ringkreuz, eines der berühmtesten historischen Monumente Gotlands. Wieder in nördliche Richtung fahrend, die Stadtmauer mit den Türmen und Giebeln Visbys lagen zu unserer linken, erreichten wir den Galgenberg. Der herrliche Blick auf Visby, wie auf die Ostsee, waren sicher eindrucksvoller als die inmitten einer Einfriedung stehenden drei Steinpfeiler der damaligen Hinrichtungsstätte. Anschließend besuchten wir das als Trojaburg bezeichnete Labyrinth unmittelbar am Hang unterhalb des "Galgenberget". Diese Steinsetzung (11 gängig, ca. 18 m Durchmesser, Weglänge etwa 650 m), dessen kleine Steine verschlungene, jedoch zielsicher zum Mittelpunkt und zurück zum Ausgang führende Wege bilden, sind im eigentlichen Sinn kein Labyrinth.

Die Suche nach dem Natur - Reservat "Brucebo" wenige Kilometer nördlich von Visby, gestaltete sich schwieriger als erwartet. Dafür entschädigten uns die Vogel - und blumenreichen Strandwiesen unmittelbar unter der Steilküste, dem "Klint", in hohem Maße. Die ruhebedürftigeren der Gruppe hatten in-zwischen Uferschwalben und inmitten einer Kiesgrube ein Schellentenweibchen mit ein- bis zweitägigen Jungen ausgemacht. 1983 waren Schellenten auf der Insel als Brutvögel unbekannt.

Der Rückweg nach Aminne führte über "Själsö" nach Stora Kästnär und seinem wehrhaften, steinernen Bauernhaus mit vier Stockwerken aus dem Mittelalter. Der letzte Halt war an der Bro-Kirche. Diese eine eindrucksvolle Mischung aus romanischem und gotischem Baustil, war eine Opferkirche, der vor allem Seeleute spendeten. Der Überlieferung nach soll sie über einer Opferquelle erbaut worden sein. Etwa 100 m südwestlich der Kirche sahen wir das treppengiebelförmige Tor, das ursprünglich den Zugang in den Pfarrhof bildete.

Ein interessantes und vielseitiges Tagesprogramm fand hiermit seinen Abschluss.

Tag 1-2 | Tag 3-4 | Tag 5-6 | Tag 7-8 | Tag 9-10 | Tag 11-12