Gotlandreise der Vogelschutzgruppe Eutin-Malente

Gotlandreise der Vogelschutzgruppe Eutin-Malente

5. Tag: Samstag - 31. Mai

Streusand - Aufweise bei Hammars - Anga -Kräklingbo - Thorsburgen - Grogarnsberget - Ostergarn - Linamyr - 106 Buskilometer

Morgens um 9.30 Uhr fuhren wir - wieder bei schönstem Wetter - von Aminne ab bis Storesund, einem Naturreservat. Unterwegs in einem Waldgebiet sahen wir einen einzelnen Kranich. Von einem Aussichtsturm an einem kleinen, wunder-schön gelegenen See konnten wir das Gebiet gut überblicken und entdeckten 5 Rohrweihen, 4 Graureiher und verschiedene Entenarten.

Von dort ging es mit dem Bus weiter auf schönen Waldwegen und Straßen in Richtung Hammars - eine herrliche Strandwiese mit verschiedenen Orchideenarten und vielen Primeln usw. Nach einem kurzen Ausblick auf die See fuhren wir nach Anga zu einer der besterhaltensten röm. Kirchen der Insel mit sehenswerten Deckenmalereien; sie wurde 1945 restauriert. Auffallend auch die ungewöhnlich hohe Turmhaube.

Nach einer kurzen Kaffeepause ging die Fahrt weiter nach Kräklingbo. Hier besichtigten wir die Kirche, die 1211 ein-geweiht wurde, jedoch noch später im selben Jh. umgebaut wurde. Im Jahre 1973 wurde die Kirche vollständig restauriert.

Nach dem Mittagessen fuhren wir zur Torsburg bis vor das Südtor. Ein mächtiges Felsplateau (68m über dem Meeresspiegel) begrenzt an drei Seiten die wohl größte bekannte Fluchtburg Nordeuropas. Im Süden wird diese ca. 1,5 km im Durchmesser große Burg von einem 2 m langen bis 7 m hohen Kalksteinwall abgeschlossen. In dem sehr trockenen Sommer im Jahre 1992 zerstörte ein Waldbrand in der Umgebung die Fläche von etwa 20 qkm. Das Gebiet wird wieder rekultiviert; die Spuren des verheerenden Brandes sind noch deutlich sichtbar. Hier erkundeten wir die Umgebung und machten Spaziergänge durch das mit Fichten und Kiefern bewachsene Gebiet.

Weiter ging es zu der ehemaligen Fluchtburg Grogarnsberg auf einer Landspitze der Insel im Osten. Auch hier handelt es sich um eine Fluchtburg aus der Völkerwanderungszeit. Sie liegt auf einem hohen und steilen Kalkplateau, das vom Neer aus unzugänglich war. Die Burg ist von einem 450 m langen und 6 - 8 m breiten Wallgraben umgeben. Vom Gebiet dieser ehemaligen Fluchtburg hat man einen wunderschönen Blick über das Meer; im Osten sieht man die Insel Ostergarnsholm.

Ein Abstecher führte uns nun zu der Kirche von Ostergarn. Auf der Rückseite befindet sich ein Gedenkstein für die 30 Gefallenen des am 2. Juli 1915 nach Beschießung durch russische Kriegsschiffe zusammengeschossenen und auf Land gesetzten deutschen Minenkreuzers "Albatros". Die Besatzung war während des Krieges in Östergarn interniert; das liebevoll eingerichtete Albatros-Museum ist leider nur im Hochsommer geöffnet, aber am Grabstein verliest Frau Gampert die eindrucksvollen Worte, die Herr Blunck 1983 an gleicher Stelle gesagt hat. Nachdem wir das Gebiet erkundet hatten, begann eine herrliche Fahrt nach Linamyr. Es handelt sich hier um ein ehemaliges Moorgebiet, das leider inzwischen entwässert wurde. Die Erwartungen der Gruppe hinsichtlich der Vogelwelt wurden daher leider nicht erfüllt

1983 war hier der sagenumwobener Gerhard Blunck aus Gothendorf zu spätabendlicher Stunde auf der Suche nach Waldschnepfen und Wachtelkönige beinahe verlorengegangen. Wesentlich friedlicher, wenn auch ohne Schnepfen, war der heutige Tag verlaufen.

6. Tag: Sonntag - 1. Juni

Träskmyr - Lickershamn - Stenkyrka - Martebo - Landträsk - Tingstäde - Alvena - Lindenwiese - 107 Buskilometer

Start 8.30 Uhr Kurs NW. Ziel ist das "Träskmyr" in der Nähe von Kappelshamn. Dieses "Myr" ist nach unseren Begriffen kein eigentliches Moor, sondern eine sumpfige Wasserlandschaft mit im Jahresverlauf z.t. stark schwankendem Wasserstand.

Die ganze Fläche ist zum großen Teil mit "Schilf", dem nur auf Gotland vorkommenden Äg bedeckt. Einige offene Wasserflächen lassen uns verschiedene Wasservögel beobachten. Das ganze Gebiet ist sicher ein Vogelparadies. Der für uns seltene Ruf der Rohrdommel ist gut zu hören; im Schilf, weit entfernt, äsen zwei Kraniche, während die Rohrweihe in gaukelnden Fluge ihre Kreise über das Myr zieht, um Beute zu machen.

Wir verlassen den Vogelturm, und über einen Trampelpfad und Schleeweg geht es zurück zum Bus. Am Weg überall Orchideen und viel andere Pflanzenarten.

Nun geht es nach "Lickershamn" - ein Fischerdorf. Hier besuchen wir die "Jungfrauen" und steigen auf das "Stu-Klint" von wo wir einen herrlichen Ausblick auf die See und die Küstenlinie genießen. Ein Teil der Gruppe geht auf die Suche nach Fossilien. Besonders geschickte Sammler schaffen es, innerhalb von wenigen Minuten eine Handvoll Kleinkorallen (z.b. Knöpfe-, Rurgoskorallen) oder auch mal die eine oder andere größere Koloniekoralle zu finden.

Es ist Zeit für eine Mittagspause. Danach fahren wir nach "Sten-Kyrka". Die um 1255 geweihte große Kirche mit ihrem 55 m hohen mit Galerien versehenem Turm wird besichtigt. Das Innere der Kirche zeigt schöne alte Malereien und einen Taufstein aus dem 12 Jh.

Unser nächstes Ziel ist die "Martebo-Kyrka". Nach einweisender Lesung wird auch dieses Bauwerk mit interessanten Portalen und Malereien eingehend besichtigt. In der Nähe von "Martebo" liegt das Martebo-Träsk. Hier befand sich in der Vergangenheit das größte geschlossene See- und Myr-Gebiet von Gotland. Es wurde um 1880 allmählich Stück für Stück entwässert, um Ackerland zu erhalten.

1975/76 wurde dann durch einen Damm das "Träsk" als Wasserreservoir errichtet. Mit dem Wasser sollten die entstandenen 34 qkm Ackerland bei Wassermangel bewässert werden. Gleichzeitig hoffte man ein Paradies aus Menschenhand für die Vogelwelt zu schaffen. Es mag es geworden sein. Wir konnten leider nicht viel davon feststellen.

Anschließend geht es nach "Tingstade" am Tingstade-Träsk. Wir besichtigten auch hier die Kirche aus der Zeit um l200-l400 mit ihrem gewaltigen Turm, schönen Malereien und interessanten Portalen. Sie wurde im Laufe der Zeiten vielfach umgebaut und erweitert.

Tingstade wurde mit Hilfe einer neu erbauten Eisenbahn zu Beginn des 20. Jh. zu einer Festung gebaut. Durch die Weiterentwicklung der Waffentechnik wurde diese Festung aber schon bald wieder bedeutungslos. Etwa in der späten Wikingerzeit gab es auf dem "Tingstade-Träsk eine wohl einmalige Verteidigungsanlage. Aus Holz wurde auf dem See eine große Plattform errichtet, auf der Holzhäuser getaut wurden. Das ganze schwamm praktisch auf dem See und war zudem noch mit Palisaden umgeben. Die Anlage bestand bis ins frühe Mittelalter, bevor sie durch Feuer zerstört wurde.

Bevor es zurück nach Aminne geht, fahren wir Richtung "Vallstena" um die "Alvena Lindaränge" zu besichtigen. Auf dieser "Laubwiese" mit relativ geringem Graswuchs aber vielen Wiesenpflanzen und Orchideen stehen mit lichtem Abstand Bäume, insbesondere Linden, Eichen, Eschen und Ulmen.

Zum Teil wurden diese Bäume geköpft um reichlich Laubwerk zu erzielen. Das Laub wurde zusammen mit dem gemähten Gras für das Vieh genutzt. Eine für uns etwas fremde Methode, die heute auch auf Gotland der Vergangenheit angehört. Ein kleiner Spaziergang durch diese parkähnliche "Lindaränge" soll heute unseren Erlebnistag beenden.

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