Gotlandreise der Vogelschutzgruppe Eutin-Malente
Gotlandreise der Vogelschutzgruppe Eutin-Malente
7. Tag: Montag - 2. Juni
N.G. Grötlingboudd - Kattlundsgard - Öja - Halbinsel Faludden - Hofburgen - Vamlingbo - 147 Buskilometer

Fröhlich und pünktlich wie immer, ging es um 8.30 Uhr gen Süden. Über Gothem, Anga, Ala, Lye, Hemse der drittgrößten Stadt der herrlichen Insel, nach Grötlingbo zur Halbinsel Grötlingboudd. An der Küste grasten viele Weißwangengänse und Graugänse mit ihren Jungen. Ca 1 1/2 Stunden schwärmten wir aus, um hinter Steilwänden aus Beobachtungshütten die Watvögel zu beobachten: Kiebitze und Säbelschnäbler schon mit ihren Jungen, Rotschenkel, gr. Brachvogel, Steinwälzer, Älpis, Sandregenpfeifer und Zwergstrandläufer. Der erste Sprosser wurde gehört. Ein anderer Teil der Gruppe suchte im angrenzenden Waldstreifen nach neuen Pflanzen oder "Büsche".
Ungern trennten wir uns von diesem schönen Revier, aber das reichhaltige, abwechslungsreiche Programm lockte uns zur Weiterfahrt. In Kattlund ein kurzer Halt auf einem Bauernhof aus dem Mittelalter. Interessant die alte Anlage, besonders aber die Klappen, die die vorspringenden Querbalken gegen die Witterung schützen sollten, uns aber an Nistkästen denken ließen. Über uns wurde ein Mäusebussard von Krähen gejagt. Nächster Halt an der Kirche von Öja. Der Turm wird volkstümlich "Die graue Gans" genannt. Die Kirche zählt zu den größten und berühmtesten des Landes. Wir bewunderten die alten Wandmalereien. "Die diebischen Molkerinnen" u.a., besonders aber das Triumphkruzifix mit der "Öja-Madonna"... Bemerkenswert auch die herrlichen, gepflegten Parkanlagen "Kirchenwiesen" mit den Grabplatten und dem Kastal.
Unser nächstes Ziel, Stockwiken, enttäuschte, der äußere Vogelturm wurde nicht benutzt, da anscheinend nicht lohnenswert, und zu dem noch militärisches Sperrgebiet. Dafür gab es in Faludden eine Würstchenpause, so lecker mit Brot und Senf, dazu den guten Kaffee, dass selbst einige der Würstchenverächter zugriffen. Uferschnepfen und Prachtvögel begleiteten uns zum inneren Ring, wo wir Rohrammer und Odinshühnchen, den kleinsten Schwimmvogel, ausmachen konnten. Interessant, wie letztere die Nähe heftig plätschernden Brandenten bevorzugten.
Am Hoburger Vik fanden wir die ersten Adonisröschen und Wundklee. Wem das Klettern am Hang zu mühsam war (Herr Petschelt kletterte gleich einer Gams), konnte die Sonne genießen und in der glitzernden See Samtenten beobachten. Am Hoburgsgubben stehen die gewaltigen, südlichsten Raukare mit dem "Alten Mann". Jeder Wanderer auf den Geröllsteinen fand eigene Namen für die rauhen Felsgestalten. Gegen das gleißende Licht wurde voller Freude ein Neuntöter gesichtet, der aber wohl "nur" ein Steinschmätzer gewesen sein soll. Unser letztes Ziel, die Vamlingbokirche in der reichsten Gemeinde Südgotlands, erreichen wir auf der Rückfahrt. Erbaut aus Sandstein, wurde die Kirche verziert mit verschiedenfarbigem Kalkstein. Der Turm wurde durch Blitzschlag beschädigt und steht nun stark verkürzt vor uns. Im Innern wieder herrliche alte Wandmalereien: die auf der Insel sehr "populäre" Seelenwägung, Kaiser Heinrich II, mit dem Erzengel Michael, Christophorus mit dem Jesuskind u.a.m.
Nach langer Rückfahrt landeten wir um 18 Uhr in Aminne. Schnell noch einkaufen und frisch machen! Um 19 Uhr fanden wir uns wieder zusammen bei Pyttipanna, dem Eintopf mit Spiegelei
Einige Unentwegte machten sich später wieder auf zum Strand, oder an die idyllische Au, um den herrlichen, hellen Abend zu genießen.
8. Tag: Dienstag - 5. Juni 97
Klintehamn - Schifffahrt nach und Führung auf Stora Karlsö - 140 Buskilometer
Um das Schiff zur Insel zu erreichen, fuhren wir schon um 8 Uhr über Visby nach Klintehamn. Das Wetter war optimal für eine Seefahrt. So fuhren wir bei spiegelglatter See um l0.45 Uhr auf die Insel. Schon auf dem Wasser sahen wir eine Menge Vögel: Lummen, Kormorane und Samtenten. Auf der Insel angekommen, wurden alle Besucher zunächst "vergattert", nichts zu sammeln, nichts zu pflücken und nicht vom Wege abzugehen. Das Problem der älteren Damen wurde durch den Führer elegant gelöst, er lud sie in das Inselauto und brachte sie auf den höchsten Punkt der Insel, zum Leuchtturm. Von dort konnte man alles gut beobachten.
Unser Führer - Jasper - zeigte uns zunächst eine Grotte, wo Archäologen nach Abtrag einer 4 Meter dicken Humusschicht viele Gerätschaften und Knochen von Seehunden aus der jüngeren Steinzeit gefunden hatten. Ebenso wurden Menschenknochen gefunden (vielleicht Opferungen oder Kannibalismus). Die Grotte wurde später auch als Schafstall bei schlechtem Wetter genutzt. An den Grottenwänden sahen wir braunen Streifenfarn wachsen.
Jasper erzählte uns, dass im 18. Jh. ca. 50 kleinere Fischerhäuser am Hafen standen. Die Häuser hatten keine Fenster und waren nur zur Übernachtung gedacht. Es waren nur Männer auf der Insel. Bei Streitigkeiten wurde der zu Bestrafende mit einem Boot auf eine kleine vorgelagerte Sandbank gebracht, wo er die Strafe bei Wind und Wetter absitzen musste.
Anschließend besuchten wir das Museum der Insel. Es wurden uns die Hauptvögel des Eilandes in guten Präparaten gezeigt: Trottellummen, Alke und Eiderenten. In anderen Räumen war die Fauna und Flora der Insel mit guten Darstellungen und Präparaten dargestellt. Auch den vielen Versteinerungen war eine besondere Ausstellung gewidmet. Nach dem Besuch des Museums ging es auf Wanderung zu den Vogelfelsen. Auf dem Weg hörten wir Gelbspötter und Karmingimpel. Jasper erzählte uns einige interessante Dinge über den heutigen Zu-stand der Insel. Nachdem sie lange als Schafweide genutzt worden war, erkannte ein deutscher Einwohner aus Klintehamn, Herr W. Wöhler, die Einmaligkeit des Eilandes. Er gründete mit Hilfe von Kaufleuten eine Aktiengesellschaft und kaufte das Land. Er sorgte dafür, dass die Schafe stark dezimiert wurden, und pflanzte Bäume (Weichselkirschen), um die Vogelwelt anzulocken und Nahrung zu bieten.
Zur Zeit wird ein Beweidungsexeriment erprobt, um das Gras auf Teilen der Insel zurückzuhalten. Der Höhepunkt war der Besuch am Leuchtturm und einer zweiten Beobachtungsstelle. Unzählige Trottellummen und Alke bevölkerten die Felsbänder oder schwammen auf dem Meer. Eine Silbermöwe fütterte im Abgrund ihre 3 Westjungen, es war alles ein einmaliges Erlebnis.
Auch unsere Botaniker kamen auf ihre Kosten. Schopfiges Kreuzblümchen, Brandorchideen und viele andere Blumen lockten zum Fotografieren. Wir sahen unseren ersten Wespenbussard. Die Sperbergrasmücke sang und zeigte sich. An der Südseite der Insel standen mächtige Bergulmen, die schon von Linné beschrieben wurden. Ein Anleger, der sogenannte Südhafen, wird bei starkem Nordwind genutzt. Auf dem Wege erfreute uns ein nordischer Waldhase durch seine Zutraulichkeit.
In früheren Zeiten wurde der hier gefundene rote Kalkstein in einem Steinbruch abgebaut. Heute hat die Natur alles zugedeckt, und nichts weist mehr darauf hin.
Am Hafen wieder angekommen, zeigte uns Jasper noch Färberwaid, eine Pflanze, die früher zum Blaufärben von Stoffen (blau der schwedischen Fahne) verwendet wurde.
Ein schöner Tag ging zu ende mit der Rückfahrt nach Aminne.
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