Gotlandreise der Vogelschutzgruppe Eutin-Malente

Gotlandreise der Vogelschutzgruppe Eutin-Malente

9. Tag: Mittwoch - 4. Juni

Folhammar - N.G. Närsholmen - Stänga - Russpark Lojsta - Heide - Lojsta-Halle - 167 Buskilometer

Ein denkwürdiger Tag - Herr Jenckel wurde heute 75 Jahre alt. Wie üblich trat der gemischte Chor der Vogelschutzgruppe Eutin - Malente zum Kanon auf. Es ist immer wieder eine schöne Gelegenheit zum gemeinsamen Singen.

Wir fuhren heute über Gothem - Kräglingbro - Ljugarn nach Folhammar, wo wir eine Wanderung zu den Raukaren machten. Außer Meeresrauschen war es überall sehr still. Nur wenige Vögel waren am Strand zu sehen, und so brachen wir bald wieder auf. Vorbei am größten Gräberfeld in Galrum, mit Rösen (großen Steinhaufen) und Schiffssetzungen sowie einem Bildstein, ging es nach Närsholmen. Schon in der ersten Bucht hatten wir eine schöne Beobachtung von Nonnengänsen mit Jun-gen. Dann fuhren wir auf eine große Strandwiese zum Leucht-turm. Ein Holzgatter versperrte zunächst den Weg, da aber ein Bus in der Ferne zu sehen war, öffneten wir das Tor, und uns erwartete ein wunderschöner Ort. Unzählige Nonnengänse, Rotschenkel und Kiebitze sowie viele andere Vögel erfreuten uns bei der Mittagsrast. Leider wurde durch die Mittagshitze das Flimmern der Luft immer stärker, so dass eine gute Beobachtung nicht mehr möglich war. Nach der Rast fuhren wir zur Kirche nach Stänga, wo ein reichverziertes Kirchenportal und drei Friese mit der Geschichte Jesu zu sehen waren. An der Tür hing eine gotländische Elle mit dem Maß von 55,5 cm Länge. Herr Bechmann erklärte uns alles sehr gut und ausführlich.

Unser nächstes Ziel war der Russpark in der Loyataheide. Das Russ ist ein Gotlandpony, das früher wegen seiner Robustheit in den Gruben auf dem europäischen Festland gern eingesetzt wurden Durch die Industrialisierung wurde es immer weniger gebraucht, und es drohte auszusterben. Nun lebt hier in der Nähe der Heide eine Herde von Ponys. Jährlich werden überzählige Pferde an Liebhaber verkauft. Wir sahen eine recht große Herde mit Fohlen. In diesem Gebiet lebt auch der Wendehals, der von einigen beobachtet wurde.

Auf der Rückfahrt besuchten wir noch die Loysta-Halle. Ein Haus aus der Eisenzeit, das 1930 rekonstruiert wurde, wobei man einen großen Teil des Materials verwendete. Vor der Halle lagen große Steine mit typischen Schleifrinnen für Schwerter. Die große Halle selbst besteht aus einem Ständerwerk, auf welchem das Dach in A-Form gesetzt ist und bis zur Erde reicht. Abgedeckt ist es mit Gotlandschilf - Äg - genannt.

Die Reste eines Schlosses suchten wir leider vergeblich, hier hatte die Natur alles zugedeckt.

In Aminne wieder angekommen, saßen wir in fröhlicher Runde bei Herrn Jenckel, der uns zu einem Fläschchen Sekt eingeladen hatte. Eine lustige Unterhaltung und zum Schluss ein prächtiger Sketch, von Herrn Regel vorgetragen, beschlossen wir einen schönen Tag.

10. Tag: Donnerstag - 5. Juni

Romakloster - Nisseviken - N.G. Ugnens (Klase) - Klintehamn - Kovik - Paniken - Högklint - 222 Buskilometer

10 Grad Wärme, leichter Wind, blauer Himmel mit leichten weißen Streifen, geht es zur gewohnten Abfahrtszeit nach Mittel - Westgotland.

Fahrtstrecke: An schmucken Höfen vorbei mit gepflegtem Rasen vor den Häusern kommen wir zum südöstlichen Teil der Romaebene. Sie ist ein gutes landwirtschaftliches Gebiet mit Zuckerrübenanbau. Über eine herrliche Lindenallee erreichen wir unser erstes Ziel: Roma-Kloster. Im Jahre 1164 entstand hier eine Zisterzienserabtei. Die Mönche trugen weiße Ordenstracht, mussten schweigen und durften nur singen. "Ora et labora" (bete und arbeite) war der Ehrenkode des Ordens. Vom Kloster sind heute nur noch Teile der Klosterkirche erhalten, deren volle Ausdehnung man nur ahnen kann. Sie war eine dreischiffige Basilika mit Querschiff und gerade abschließendem Chor, das Langhaus ist auffällig lang; Der Kirchenraum war ursprünglich durch eine Holzschranke in einen östlichen und westlichen Teil gegliedert: der östliche für die Mönche und der westliche für die Laienbrüder, die hier einen eigenen Altar hatten. Die Kirche hatte keinen Schmuck. Nach der Reformation wurde das Kloster der dänischen Krone unterstellt und von den Mönchen verlassen. Gebäude und Anlagen verfielen, dienten teils als Steinbruch. Einige Gebäude wurden zu Ställen umgebaut. Nach 1730 wurden große Teile der Anlage abgerissen, um die Steine für den Neubau einer Residenz für den Landeshauptmann zu verwenden. Die Reste des Kirchenschiffs wurden zum Viehstall umgebaut, von dem Carl von Linné während seines Besuches behauptete, dass "der Stall der prächtigste sei, den man je in Schweden gesehen hat". Neben der Ruine befindet sich jetzt ein Klosterträdgarden mit liebevoll gepflegten Pflanzen. Im Park südlich der Ruine sind einige Säulenreste; auf einer ist eine Sonnenuhr mit Metallsegmenten. Einige Kirchenportale sind im Gebäude des Gutshofes verbaut. Im Sommer finden Opernaufführungen an der Kirchenruine statt, für die gerade Proben vorbereitet wurden. Weiterfahrt nach Süden und Südwesten an Stängas berühmter Kirche vorbei. In Stänga ist auch eine Molkerei vom Arla-Milchkonzern. Auf den Weiden neben der Straße, an denen ab und zu alte Meilensteine zu sehen sind, fressen rotbunte und schwarzbunte Rinder, auch manchmal die weißen Fjällrinder mit ihren Kälbern. Oft sehen wir Gotlandschafe mit ihren großen Hörnern (das Schaf ziert auch die Flagge Gotlands). Die Dächer der Häuser sind mit Wellblech oder Ziegeln gedeckt, teils in dunkler manchmal auch in heller Farbe. Einzelne Rapsfelder leuchten gelb, der Roggen beginnt zu blühen.

Bei Nisseviken erreichen wir die Westküste und halten Aus-schau nach Vögeln in der flachen Bucht. Wir fahren anschließend auf der Straße 140 nach Norden um südlich Sproge auf einem kleinen Weg nach Westen, um über Snoder das Vogelschutzgebiet an der Westküste zu erreichen. Wir sehen die üblichen Vögel, zum ersten Mal eine Bekassine, eine Rohrweihe gaukelt über dem Schilf eines kleinen Binnensees ehe wir uns bei den Fischerhütten zur Mittagspause niederlassen. Plötzlich große Aufregung, da ein Steinadler beobachtet wird, der sich immer höher in den von weißen Bändern durchzogenen blauen Himmel schraubt. Über Fröjel erreichen wir anschließend Klintehamn, wo wir am Hafen bei einem kurzen Stop besonders viele Grau-reiher sehen.

Der nächste Halt ist in Koviks Fischereimuseum mit gotländischem Stangenzaun, wo man in ein ehemaliges kleines Fischerdorf Strandschuppen brachte und alte Boote, Fischereiausrüstung und Gebrauchsgegenstände der Fischer sehen kann. An langer Stange hängt ein Feuerkorb, einstmals Zeichen und Warnung für die Seefahrer. Der Hering aus der Ostsee, der Strömling, wurde eingesalzen und wurde täglich das ganze Jahr gegessen. Von Kovik aus ging es auf der 140 weiter nordwärts an Västergarn vorbei zum Vogelbeobachtungsturm des Reservats von Paviken. Ein schilfumstandener See, gut geeignet für Graugänse, Briten Bekassinen, Schwäne u.a. Paviken war früher eine Meeresbucht mit einer engen Verbindung zum Meer. Zur Wikingerzeit (800 - 1000 v. Ch.). herrschte hier reges Leben, was aus vielen Funden aus dieser Zeit hervorgeht.

Ehe wir Visby erreichen, ein Abstecher nach Westen zum Naturreservat Högklint. Von der ca. 50 m aus dem Meer ragenden Kalksteinklippe, hat man einen großartigen Blick auf das Meer und auf Visbys Hafen und Türme. Nur ein schmaler Sandstreifen säumt den Fuß der Kalkfelsen. Über dem Küstensockel ist die See klar und lichtdurchlässig; grün und hell schimmert der Meeresgrund. Bei der Weiterfahrt lassen wir Visby links liegen und fahren auf der 147 nach Osten um kurz vor Slite südwärts 16.45 Uhr Aminne zu erreichen.

Ein erlebnisreicher Tag geht nach dem gemeinsamen Essen, "Beef Stroganoff" mit Reis, zu Ende.

Tag 1-2 | Tag 3-4 | Tag 5-6 | Tag 7-8 | Tag 9-10 | Tag 11-12