Insel der Gewürze und Lemuren
Landläufig ist Madagaskar auch als Gewürzinsel bekannt, vor allem durch den Pfeffer. Wünscht man also jemanden dorthin, wo der Pfeffer wächst, kann man ihm keinen größeren Gefallen tun, denn derjenige erhält die Möglichkeit, ein weltweit in seiner Vielfalt einzigartiges Land kennenzulernen. Diese Aussage gilt nicht nur für die Fauna und Flora, sondern auch für die Madagassen selbst.
Entstehung der Insel
Lemur
Madagaskar trennte sich vor etwa 100 bis 165 Millionen Jahren von dem Urkontinent Gondwana. Die entstehenden Erdteile des späteren Afrikas und Asiens drifteten nach Westen bzw. nach Nordosten. Zur Zeit liegt die Insel im Indischen Ozean etwa 400 km von der südlichen afrikanischen Küste entfernt, dazwischen liegt der Golf von Mozambique. Madagaskar besteht zum Teil aus hartem Urgestein wie Granit, zum Teil aus vulkanisch entstandenen Inseln (z.B.Nosy Be) und Landschaften (Berge um Antsirabe).
Klima
Rikschafahrer
Madagaskar mit rund 590.000 km² die viertgrößte Insel der Welt nach Grönland, Neuguinea und Borneo (mit der Fläche etwa so groß wie Frankreich). Sie ist etwa 1.600 km lang und an der breitesten Stelle 580 km breit. Sie liegt zwischen dem 12. und 26. südlichen Breitengrad im Bereich des südl. Wendekreises. Im Sommer beträgt die Zeitverschiebung zwischen Deutschland und Madagaskar nur eine Stunde (im Winter sind es zwei Stunden), die Jahreszeiten in Madagaskar sind aber genau umgekehrt. Es werden zwei Jahreszeiten mit ihren Übergängen unterschieden: den Südsommer von Dezember bis März, sowie den Südwinter von Juni bis September.
Durchschnittlich schwanken die Temperaturen im Sommer und Winter um 6 Grad Celsius, wobei sie im Süden höher sind und im Norden niedriger. Das Klima des Südsommers entspricht unserem Hochsommer, der Südwinter hat Ähnlichkeit mit unseren Frühjahrs- bzw. frühherbstlichen Temperaturen. Im zentralen Hochland kann es im Südwinter kurz vor Sonnenaufgang Frost geben, doch tagsüber steigen die Temperaturen auf über 20 Grad Celsius im Schatten an.
Wem gelegentliche warme tropische Regenschauer nichts ausmachen, sollte in den Zwischensaisonzeiten reisen, wenn die Natur grünt und blüht. Der Südwinter weist ein angenehmeres, regenarmes Klima für Europäer auf, allerdings ist das Land trocken, braun und wirkt verbrannt.
Kultur
Baobaballee
Wann Madagaskar das erste Mal besiedelt wurde, ist nicht ganz deutlich zu klären. Einige Historiker glauben, daß arabische Händler lange vor unserer Zeitrechnung mit der Urbevölkerung Handel trieben. Andere vermuten, daß erst um 1000 n. Chr. südostasiatische Seefahrer auf der Insel landeten. Jedenfalls sind im Laufe der wechselreichen Geschichte Madagaskars soviele multikulturelle Einflüsse aus Afrika, Indonesien, Arabien, China, Indien und Europa zusammengeflossen, die die Kultur und die Menschen Madagaskars geprägt haben. Madagaskar ist so zum Schmelztiegel der Völker und Kulturen geworden.
Über 18 verschiedene Volksgruppen leben auf der Insel , und jede hat ihre eigenen Sitten und Gebräuche.
- In der Küstenregion und im Regenwaldgebiet des Ostabhanges leben die Waldbauern-Gruppen:
Betsimisaraka (die vielen Unzertrennlichen), Bezanozano (die sich viele Zöpfe machen), Tanala (Waldleute), Antambahoaka (Volksleute), Antaimoro (Uferleute), Antaifasy (Strandleute), Antaisaka (Talleute), Antanosy (Inselleute).
- Die Hochländer sind geprägt durch die Naßreisbauern: Tsimihety (die sich nicht die Haare schneiden), Sihanaka (Leute vom (Alaotra) See), Merina (größte Volksgruppe im Hochland), Betsileo (die vielen Unbesiegten).
- Im Westen und Süden dominieren die Hirtenbauern: Antankarana (Felsleute), Sakalava (Leute der langen Täler), Bara (Zebuzüchter), Vezo (Fischergruppe), Mahafaly (was "tabu" macht), Antandroy (Leute vom Dornenland), Mikea (zurückgezogen lebendes Waldvolk)
Alle Volksgruppen sprechen Malagasy, eine ursprünglich aus dem malayisch-indonesischen Sprachraum. In den vielen Dialekten kommen aber auch afrikanische und arabische Einflüsse zum Ausdruck, wobei afrikanische und indonesische Einflüsse überwiegen. Zum Beispiel sind Worte und Namen ums Haus herum und die Viehhaltung betreffend haben ihre Wurzeln im Suaheli und Bantu, die Namen der Zahlen und Wochentage stammen aus dem arabischen.
Die religiösen Bräuche basieren auf ursprünglichen südostasiatischen Kulturen, bevor diese mit hinduistischen oder moslemischen Einflüssen in Berührung kamen. Der Glaube ist vorrangig von der Naturreligion bestimmt, gleichzeitig sind viele dem Christentum beigetreten, da ihre Religion schon vorher an einen "Schöpfergott" glaubte. Die Naturheiler (die ombiasa) gelten als Heiler, Berater und Wahrsager, wobei sie versuchen, mit den Ahnen in Verbindung zu treten und diese um Rat zu bitten.
Diesseits und Jenseits liegen dicht beeinander. Das Leben ist die Vorbereitung auf das Leben nach dem Tod. Daher fallen Beerdigungen recht fröhlich und ausgelassen aus, mit Tänzen und Gesängen und einem reichhaltigen Mahl für die oft zahlreichen Gäste. Die Geister der Verstorbenen kehren dem Glauben nach zum Beispiel in Form von Tieren zurück. So gilt der Indri-Lemur als heilig und darf nicht gejagt werden. Zeburinder haben eine große Bedeutung, sie sind Fleischlieferanten und Statussymbol zugleich. Es ist in großem Maße verbreitet, und mit etwa einem Rind pro Einwohner gehört Madagaskar zu den viehreichsten Ländern der Erde. Es ist nicht nur Fleischlieferant, sondern hat seine Hauptaufgaben als Zugtier für Pflüge und Holzkarren, die oft das einzige Transportmittel sind. Bei Zeremonien ist es das wichtigste Opfertier: bei Totenfeiern, Festen für die Ahnen (um sie gütig zu stimmen und zu ehren), beim Opferfest für verstorbene Königinnen und Könige, oder wenn ein neu erworbenes Grundstück eingeweiht wird.
Das fady, das Tabu, regelt die Gemeinschaft. Es kann für eine Person, eine Familie, eine ganze Gemeinschaft, aber auch für bestimmte Plätze gelten. Die fadys können sich von Region zu Region unterscheiden. So ist es zum Beispiel für die einen fady, Schafs- oder Ziegenfleisch zu essen, was jedoch für andere, nur einige Kilometer weiter entfernt Lebende nicht mehr gilt. Auch viele Orte sind mit einem fady belegt, sie dürfen zum Beispiel nicht oder nur unter Einhaltung bestimmter Rituale betreten werden. Als tabu gilt es auch, sich öffentlich ohne Kleidung zu zeigen, was von Reisenden trotz ausgelassener Urlaubslaune respektiert werden sollte.
Die Madagassen sind freundliche, geduldige und hilfsbereite Menschen. Obwohl sie aus unserer Sicht unter erschwerten Bedingungen leben - in den wenigsten Haushalten gibt es Strom oder fließend Wasser - blickt man stets in lachende Gesichter, die aufgrund ihrer vielseitigen Herkunft eine starke Faszination besitzen.
Zur Fröhlichkeit gesellt sich eine erstaunliche Gelassenheit, die besonders in Situationen, die uns Europäer in Ungeduld versetzen, zur Geltung kommt. Gibt es gerade kein Benzin an den Tankstellen, sind die Straßen nach dem Monsunregen unpassierbar oder verzögert sich die Abfahrt des Taxi-Brousse aus für uns unerklärlichen Gründen auf unbestimmte Zeit, dann heißt es "mora-mora" (= immer mit der Ruhe) und man nutzt die Zeit, um mit den ausländischen Besuchern, den Vazaha, zu plaudern, einen Kaffee zu trinken oder an einem schattigen Platz ein Schläfchen zu halten.
In entlegeneren Regionen sind die Menschen anfangs recht scheu und zurückhaltend, was sich jedoch bald in gesunde Neugier verwandelt, wenn man eine gewisse respektvolle Distanz wahrt.
In starkem Gegensatz dazu steht der Umgang mit Vazahas in den größeren Orten und Städten, wo der Tourist begehrter Kunde für die zahlreichen Taxifahrer, Pousse-Pousse-Besitzer und Marktverkäufern ist, so daß es oft nicht leichtfällt, sich des Übereifers zu erwehren.
Der politische Werdegang der Insel kann nicht in wenigen Worten geschildert werden, daher hier eine kurze Zusammenfassung. Der elementaren Organisationsform von Familiengruppen und Häuptlingstümern folgten ca. im 17. Jahrhundert die Königreiche, wobei verstärkt europäische Einflüsse und Techniken ins Land kamen. In der Zeit der Monarchie wurde die madagassische Schriftsprache auf Basis des lateinischen Alphabets eingeführt. 1820 wurde die erste Schule eröffnet. 1894 hielten die Franzosen Einzug, die letzte Königin wurde verbannt.
Madagskar bleibt französisches Territorium, bis am 26. Juni 1960 Präsident Tsiranana in der Hauptstadt Antananarivo die unabhängige Republik Madagaskar proklamiert, welche im selben Jahr in die UNO aufgenommen wird. 1975 wurde nach Unruhen die Demokratische Regierung Madagaskar - Repoblika Demokratika Malagasy - ausgerufen, mit Didier Ratsiraka an der Spitze, der 1997 erneut zum Präsidenten Madagaskars gewählt wird.
Flora & Fauna
fingergroßer Chamäleon
Die Pflanzenwelt Madagaskars ist ebenso außergewöhnlich wie die Tierwelt. Besonders für Biologen, Wissenschaftler und Naturliebhaber ist Madagaskar ein Kontinent für sich, den es permanent zu erforschen gilt. Madagaskars Tierreich ist einzigartig auf der Welt. Aufgrund seiner frühen Abspaltung von Afrika haben es viele Tiere, die sich erst später entwickelt haben, nicht mehr dorthin geschafft, und so entstand eine eigenständige Fauna, die zu ca. 90 % endemisch ist, also nur hier auf Madagaskar vorkommt, und immer wieder werden neue Pflanzen und Tiere entdeckt. Das Pflanzenvorkommen und wiederum das der Tiere, die von ihnen leben, richtet sich nach der jeweiligen Klimazone. Manche bevorzugen den immerfeuchten Regenwald, andere lieben es heiß und trocken, wieder andere brauchen das fast europäische Klima des Hochlandes.
Die Lemuren (oder Makis genannt) konnten sich vielfältig entwickeln, da ihre Existenz von keinen größeren und höherentwickelten Affenarten bedroht wurde, da sich diese erst nach der Abspaltung der Insel auf dem afrikanischen Festland zu entwickeln begannen. Die Lemuren trifft man fast überall auf der Insel, besonders in den Naturparks Berenty und Andasibe sowie bei der Forststation Ampijoroa.
Heute leben insgesamt 29 Lemurenarten, die in 5 Familien mit 12 Gattungen eingeteilt sind. Manche leben in kleinen oder größeren Gruppen, andere sind einzelgängerisch, manche von ihnen sind nur in der Nacht aktiv, während sie am Tag in den Bäumen schlafen. Durch körperliche Besonderheiten, Verhaltensweisen und bestimmte Freßgewohnheiten haben sich die Lemuren ihrer Umgebung angepasst.
Der Mausmaki ist der kleinste Affe der Welt und ist nur 12 cm groß. Er gehört zu einer ursprünglicheren (primitiveren) Lemurenfamilie, die sich von Insekten und Blättern ernähren.
Der bekannteste und vielleicht auch schönste Lemur ist der Katta, den man an seinem langen, buschigen, schwarz-weiß geringelten Schwanz erkennt, der immer erhoben ist.
Unter den fleischfressenden Tieren gibt es keine großen Raubtiere wie Löwen oder Leoparden. Das größte Landraubtier ist die Fossa, ein katzenähnliches Tier, das bis zu 10 kg schwer wird undsich von kleinen Säugetieren, Schlangen, Vögeln, Lemuren und auch Tenreks ernährt.
Die insektenfressenden Tenreks sind eine witzige Mischung aus Spitzmaus und Igel. Das größte Nagetier ist das ca. 35 cm lange Votsotsa und ähnelt dem afrikanischen Buschkaninchen. Große Tierherden wie in Afrika gibt es nicht, hier weiden Herden von Zeburindern und Ziegen.
Erst mit der Besiedlung durch den Menschen kamen zunächst asiatische und afrikanische Kulturpflanzen wie Reis und Maniok, später durch die Europäer aus Asien eingeführte Obst- und Gewürzpflanzen ins Land.
Unsere Linkempfehlungen
Die Wikipedia über Madagaskar: http://wiki.suche.web.de/wiki/?su=Madagaskar
Der Fall Madagaskar und die Afrikanische Union: http://www.kas.de/publikationen/2003/1527_dokument.html/
Das Ranomafana School Project: http://webs.4steps2web.net/madagaskar/main0.htm
Ein persönlicher Reisebericht. Ganz witzig geschrieben.: http://www.emmes.net/travelstory/emmes/madagaskar/
umfassende Informationen zu Madagaskar: http://madagaskar.info
Insel der Gewürze und Lemuren