Türkei - ein Land zwischen Orient und Okzident

Die Türkei ist nicht nur ein ideales Reiseziel für Sonnenliebhaber, sondern auch für Natur- und Kulturinteressierte Reiselustige. Geographisch und kulturell dient die Türkei als Brücke zwischen der europäischen, christlichen Welt und dem orientalischen Islam. Die Regionen sind an Variantenreichtum kaum zu übertreffen. Ein Querschnitt entlang der West - Ost - Achse führt von Getreidefeldern Thrakiens auf der europäischen Seite über die romantischen Buchten der Ägäisküste, vorbei an den kalten Seen und schneebedeckten Bergmassiven der anatolischen Hochlagen, durch fruchtbare Täler bis zu den vulkanischen Alpen Kurdistans an der östlichen Grenze.

Geographie

Die Türkei erstreckt sich geografisch über zwei Kontinente. Anatolien, der asiatische Teil des türkischen Staatsgebiets und das östliche Thrakien, das den europäischen Teil bildet. Im Nordwesten grenzt die Türkei an Griechenland und Bulgarien. Im Nordosten an Georgien, Armenien. Im Osten an den Iran und im Süden an den Irak und an Syrien. Im Westen des Landes liegt das Ägäische Meer, im Süden das Mittelmeer und im Norden das Schwarze Meer. Vor allem der Norden der Türkei gehört zu den am stärksten erdbebengefährdeten Regionen der Welt und wurde in den letzten Jahren immer wieder von Erdbeben erschüttert. Experten gehen auf Grund der chronologischen Ost-West-Abfolge davon aus, dass in absehbarer Zeit auch Istanbul von einem Beben erschüttert werden könnte. Die Türkei ist weder ein Wüsten- noch ein Palmenland, sie ist eine Kombination aus zerklüfteten Bergen, welliger Steppe, sich dahinschlängelnden Flüssen, fruchtbaren Tälern und einer 7500 km langen Felsküste mit herrlichen Stränden.

Klima

An den Küsten der Ägäis und des Mittelmeers sind die Sommer heiß und trocken, die Winter dagegen mild und regnerisch. Die Hochsaison herrscht in der Türkei zwischen Mai und September. Im Winter allerdings sinkt die Temperatur in der Regel nicht unter den Gefrierpunkt. Es regnet sehr viel und Schnee, kann auch mal fallen. Das Klima auf der anatolischen Hochebene ist im Sommer angenehm kühl und im Winter doch schon ziemlich kalt. Der Norden ist das regenreichste Gebiet der Türkei. An der Schwarzmeerküste sind die Sommer mild und die Winter kühl. Im bergigen Osten der Türkei bringen die Winter Kälte und Schnee, nur im Sommer ist es angenehm warm. Im Südosten dagegen erlebt man trockene, milde Winter und extrem heiße Sommer wobei der Temperaturpunkt auch gerne mal die 45° C Markierung erreicht.

Istanbul

Erst Byzanz, dann Konstantinopel und heute Istanbul. Aufgrund ihrer dreitausendjährigen Geschichte gilt sie als eine der ältesten noch bestehenden Städte der Welt. Istanbul ist eine Stadt der Gegensätze: Hier am Bosporus, an der Grenze zwischen den Kontinenten, treffen sich die Kulturen Europas und Asiens. Direkt an der Wasserstraße zwischen Mittelmeer und Schwarzem Meer liegt die größte und wichtigste Stadt mit rund 10 Millionen Einwohnern. Diese Stadt ist zwar nicht die Hauptstadt der Türkei, jedoch bildet Sie das ökonomisches und kulturelle Herz der Türkei. Der Wirtschaftsaufschwung der 80er Jahre und die Entdeckung der Türkei als Reiseziel liess neue Restaurants, Hotels, Cafés und Kultureinrichtungen nur so aus dem Boden schiessen. Zum Stadtbild gehören die typischen, in osmanischer Tradition gebauten, Holzhäuser. Durch das schnelle Wachstum der Bevölkerung wurden in den letzten Jahrzehnten in und um die Stadt zahlreiche, hohe Siedlungen gebaut. Das alte Stadtviertel Sultanahmet läd zum flanieren zwischen Moscheen, frisch restaurierten holzvertäfelten historischen Häusern und zum Besuch des Topkapipalastes ein. Im Stadtviertel Beyoglu findet man Märkte und Lokumhändler.

Flora & Fauna

Die Flora der Türkei gilt als die vielfältigste und abwechslungsreichste im Nahen Osten. Im Süden finden sich vor allem Pflanzen wie z. B. immergrüne Hecken und Sträucher, Eichenbäume, Oliven- und Johannisbrotbäume, die sich an die trockenen Sommer angepasst haben. In den Hochebenen sind wilde Blumen und Bodendecker heimisch. Die Steppen werden von Sträuchern, Nadelwäldern und Schwarzkiefern beherrscht, die trockenen Gebiete auch von Disteln und Kakteengewächsen. Im Norden, vor allem an der Schwarzmeerküste, gibt es ausgedehnte Haselnuss-, Mais- und Teeplantagen, im Süden eher Obst- und Baumwollplantagen. Auch sind viele Niederwildarten und Wildschweine heimisch. An Nutztieren finden sich viele Rinder, Pferde, Büffel, Schafe und Ziegen. Die größten Raubtiere, die heute noch in der Türkei leben, sind Wölfe, Braunbäre, Schakale und einige verschiedene Luchsarten. Die Türkei ist Brut- und Überwinterungsplatz für zahlreiche Vogelarten. Südlich - im Kuscenneti-Nationalpark - liegt ein bekanntes Vogelparadies, wo Pelikane, Wildenten, Störche, Kormorane, Nachtigallen und Fasane ihre Heimat gefunden haben.

Geschichte

Das Osmanische Reich kämpfte im ersten Weltkrieg Seite an Seite mit den Mittelmächten. Anfang des 20. Jahrhundert kam es zum legendären Völkermord an den christlichen Armeniern, der nachwievor von den Türken dementiert wird. Die türkische Regierung versucht diplomatisch andere Staaten davon abzubringen, den Völkermord offiziell anzuerkennen, dennoch wird dieser von Frankreich, Italien, Belgien, Slowakei, Russland, der UNO und der EU anerkannt. 1919-1922 organisiert Mustafa Kemal (genannt "Atatürk" = Vater aller Türken) einen Widerstand und die Besatzungsmächte werden vertrieben. Danach gründet Atatürk die türkische Republik, weitgehende Reformen werden durchgeführt und die Türkei wird den westeuropäischen Ländern kulturell angenähert. Im zweiten Weltkrieg verhält sich die Türkei neutral. Bis 1980 sorgen mehrere Militäputsche für wechslende Verhältnisse. Nach 1983 werden Neuwahlen und ein wirtschaftlicher Aufschwung durchgeführt. Es reisen immer mehr Touristen in die Türkei. 1984 erfolgen Terroranschläge der kurdischen Arbeiterpartei PKK, sie fordern Autonomie. Seit 1987 bemüht sich die Türkei sich an die Anforderungen der EU anzunähern und Mitglied zu werden. Heute ist die Türkei das einzige NATO-Mitglied in Asien und somit ein wichtiger Partner bei den Auseinandersetzungen im nahen Osten.

Essen & Trinken

Die türkische Küche zählt zu den besten der Welt und ihre Vielfalt verdankt sie dem Vielvölkerstaat des Osmanischen Reiches. Noch heute lassen sich nomadische, arabische und griechische Einflüsse erkennen. Traditionell wird sehr viel Gemüse gegessen. Bekannt ist die türkische Küche vor allem für ihre vielfältigen, schmackhaften Vorspeisen. Diese bestehen aus verschiedenen Pürees (z.B. aus Kichererbsen, Auberginen oder Sesam), diversen Joghurtcremes und in Öl gebratenen oder eingelegten Gemüsesorten (Zucchini, Auberginen, Tomaten). Variantenreich sind die Teigspezialitäten, mit Kräutern, Käse oder Hackfleisch gefüllt und in Öl ausgebacken. Zu den Hauptgerichten zählen diverse Fleischgerichte vom Grill, am Spieß oder mit Gemüse zusammen geschmort. Zubereitet wird in erster Linie Lammfleisch, aber auch Rind und Geflügel, Schweinefleisch ist tabu. Sehr beliebt sind mit Reis und Korinthen gefüllte Gemüse (Weinblätter, Paprika, Tomaten), die häufig kalt serviert werden. Fischgerichte und Meeresfrüchte gibt es an der Küste oder in speziellen Restaurants im Gebirge. Die Nachspeisen (tatlilar) sind meistens sehr süß und werden mit Nüssen und Honigsirup zubereitet. Vor allem im Sommer wird Obst (Melonen, Pflaumen, Aprikosen) serviert. Das türkische Nationalgetränk ist der Tee (cay), entweder schwarzer oder Apfeltee.

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