Erlebnisse einer Eselwanderung in den Cevennen von Jeannette N.

Was bewog mich eine Eseltour zu machen

Wie kommst du denn auf die Idee??“ – das war eine sehr häufige Frage auf meine neueste Urlaubsidee. Ja wie bin ich darauf gekommen……?! Esel haben mir schon immer gut gefallen und ich wollte auch immer mal gerne eine mehrtägige Wandertour machen – also warum nicht diese beiden Dinge miteinander verbinden….!? Auf der Suche im web bin ich über Eselwandern dann bei dem Reiseanbieter „Urlaub und Natur“ (www.urlaubundnatur.de) aus Karlsruhe hängengeblieben – die Angebote hörten sich super an! Kurzerhand eine Freundin gefragt – perfekt – sie hatte Lust und Zeit! Die Wahl des Datums fiel auf September und wir suchten uns die Tour durch die Cevennen aus! Auf den Spuren von Stevenson – aha – wer war das gleich noch mal? Nach kurzer Recherche die Auflösung – ein bekannter schottischer Schriftsteller, der u.a. „Die Schatzinsel“ und „Dr. Jekyll und Mr. Hyde“ geschrieben hat. Er hat 1850 – 1894 gelebt und hat sich 1878 nach einem Streit mit seiner Angebeteten einen Esel gekauft und ist mit ihm 2 Wochen durch die Cevennen gewandert. Auf diesen Spuren sollten wir wandern. Über ihn haben wir von unserem Reiseleiter Olaf durch abendliche Lesungen noch mehr erfahren.

1.Tag 5. September

Treffpunkt mit den anderen Mitstreitern dieses kleinen Abenteuers war um 18 Uhr in Chasserades. Wir waren schon einen Tag vorher gestartet und nach einer Übernachtung in Bern zeitlich gut dran um rechtzeitig anzukommen. Die Region wurde schon recht einsam und wir fragten uns mehrmals, ob wir noch auf dem richtigen Weg waren. Aber dank meines freundlichen Navigationsgerätes, dem wir uns anvertrauten, erreichten wir zielsicher unsere erste Unterkunft. Ein Teil der Leute war schon da und die restlichen trudelten auch bald ein. Nach dem Bezug der Zimmer ging es zu den Eseln. Eseln? 1 Esel stand da – hhhmm – das kann doch noch nicht alles sein? Nein natürlich nicht – kurze Zeit später wurden noch 2 Esel gebracht. Das bedeutete 3 Leute bekommen 1 Esel. Die Einweisung im Umgang mit unseren zukünftigen 3 Helden bekamen wir vom „Eselchef“ Christian Brochier persönlich – die Esel trugen die Namen Pepito (stammt möglicherweise aus dem Comic-Heft `der lustige Pirat Pepito´), Pistou (eine würzige Basilikumsauce aus der Provence) und Sitelle (der Kleiber…oder in diesem Fall besser das Kleibervogelweibchen! Die einzige Dame in der Eselrunde). Er zeigte uns die richtige Pflege – morgens striegeln und die Hufe auskratzen – von ihm erfuhren wir, was zu tun ist, wenn der Esel mal keine Lust hat das Bein dafür zu geben – gegen den Esel lehnen bis er fast das Gleichgewicht verliert ;0). Außerdem lernten wir das Zaumzeug anzulegen und wie die Holztragegestelle für die Packtaschen richtig befestigt werden. Er erklärte uns auch noch wie man den Esel beim bergab gehen etwas bremsen kann und ihn eventuell mit vereinten Kräften wieder zum laufen bewegen kann falls er vielleicht gerade mal nicht mag. Zu drastischeren Mitteln als einen Klaps auf das Hinterteil mussten wir glücklicherweise nie greifen. Den Gebrauch einer komisch riechenden Tinktur gegen Mücken und einem Steinpulver das man nass machen muss um es auf eventuelle Wunden aufzutragen bekamen wir auch noch mit auf den Weg. Mit dieser ganzen Information im Gepäck ging es dann zum Abendessen und danach sofort ins Bett – die Aufregung vor dem bevorstehenden Abenteuer ließ mich ein wenig schwer einschlafen.

2.Tag 6. September

Um 8 Uhr war Antritt zum Frühstück – mir wurde schlagartig klar, dass dies kein „mal schön ausschlafen“ Urlaub werden würde. Immerhin gab es Croissants und Kaffee. Ich als Käse- /Wurstfrühstücker musste mich aber wohl für die nächste Woche von diesen Dingen verabschieden und mich mit Marmelade anfreunden. Aber ich sollte dafür mit tollen Abendessen entschädigt werden….! Nach dem Frühstück ging es daran die Esel wanderfertig zu machen und das gestern erlernte erstmals anzuwenden. Wir hatten uns zu dritt für die junge Eseldame „Sitelle“ entschieden – sie wirkte noch recht klein und es kamen Bedenken, ob sie überhaupt mit 40 kg fertig werden würde. Als alles aufgesattelt war sahen die beiden Taschen links und rechts schon verdammt überdimensional aus. Aber gut, erst mal ging es los – sie setzte ein tapferes Gesicht auf und marschierte los. Ebenso der Rest der Gruppe – heute sollte es schon die längste Etappe sein. Wir durchquerten Chasserades bevor es im Wald gemütlich bergan ging. Olaf hatte schon auf der Fahrt nach Frankreich für ein gemeinsames Mittagspicknick eingekauft – bevor es aber soweit war führten wir gleich am ersten Tag „eine Pause vor der Pause“ ein – d.h. den Eseln wurden die Taschen abgemacht und sie durften grasen und wir bekamen Obst. Dann ging es weiter zur Mittagspause bei der wir köstlichen Käse, Salami, Oliven, Gemüse, Obst…und süßes Gebäck als Nachtisch serviert bekamen. Den vollen Bauch in die Sonne gestreckt gönnten wir uns noch ein kleines Schläfchen. Mit viel Spaß wanderten wir weiter – eines war am ersten Tag schon klar – die Gruppe passt!!! Und für musikalische Unterhaltung war auch gesorgt – es hatte sich ein Gesangsduo zusammen gefunden :0), dem zu jedem Stichwort oder Situation ein passendes Lied einfiel und dieses auch zum besten gab! In Le Bonnetes bei Nathalie am Gite angekommen gab es – natürlich nachdem die Esel von ihrer Last befreit und auf die Weide gebracht waren – erst mal ein „Feierabendbierchen“, welches sich hiermit als Ritual für die Woche einbürgern sollte. Nach einer Dusche waren wir mit Olaf für die erste Lesung aus dem Reisebericht vom Stevenson in einer gemütlichen Ecke am Kamin verabredet. Ich fand es eine klasse Idee uns am Ende des Tages vorzulesen und werde es auf meinen nächsten Reisen vermissen bzw. mal als Vorschlag für den jeweiligen Reiseleiter anbringen. Im Anschluss zu diesem kulturellen Erlebnis ging es nahtlos über zum kulinarischen….das Abendessen war fertig. Nach so einem langen Wandertag ist der Appetit groß und es schmeckte hervorragend. Gesättigt und müde fielen wir alle ins Bett.

3.Tag 7. September

Nach dem üblichen Baguette/Marmelade Frühstück und dem Bepacken der Esel mussten wir leider schon wieder diesen schönen Ort verlassen. Es ging erst mal Richtung Le Bleymard, wo wir für unser Mittagessen einkauften. Olaf kaufte eine spezielle Salami die er uns mittags kredenzte…Salami mit Roquefortkäse…unglaublich lecker!! Das war vermutlich auch als „Zuckerl“ so gedacht – kurz danach kam die „Peitsche“…wir mussten eine steile Skipiste bezwingen, an der sogar die Esel noch gezogen und geschoben werden wollten. Glücklicherweise war der Anstieg nicht allzu lange und oben angekommen konnten wir schon unser heutiges Ziel erblicken. Die Unterkunft war wohl die hässlichste auf der Tour – ein Wintersport-Skiresort – aber die Bewirtung spitze und der Pächter Guy der netteste! Der Abend verlief wie der vorhergehende: „Feierabendbier“, duschen, Lesung am Kamin, lecker Essen und ins Bett – d.h. nicht ganz – vor der Lesung habe ich mich noch zu der Besichtigung der ersten ökumenischen Kirche in Frankreich überreden lassen (obwohl ich Kirchen nicht gerne besichtige muss ich zugeben, dass sie sogar ganz interessant war!). Und die zweite Außergewöhnlichkeit dieses Abends war der romantische Sonnenuntergang, zu dem uns „der Chef des Hauses“ extra holte. Er wollte auch noch unbedingt Gruppenbilder machen und die sollen vielleicht irgendwann mit dem Titel „Groupe Vinaigrette“ im Hotel aufgehängt werden. Mal sehen ob ich das mal kontrollieren werde ;0).

4.Tag 8. September

Noch vor dem Frühstück habe ich Olaf mit dem Kraftfutter für die Esel begleitet. Die Begrüßung war unglaublich – im Morgennebel eingetaucht standen alle 3 Esel da und gaben ein freudiges I-AH Konzert von sich – herrlich! Wer sich bis dahin noch nicht in diese goldigen Vierbeiner verliebt hatte würde es spätestens jetzt tun :0). Dann gab es auch noch gutes Frühstück – juhu – sogar eine tolle Auswahl an Müsli und Cornflakes. Damit konnte die für mich schönste Tagestour starten. Beinahe hätten wir vergessen uns gebührend vom Hotelchef zu verabschieden, aber er lief uns noch hinterher um „Auf Wiedersehen“ zu sagen. Auf wunderschönen Wegen durch lila blühende Heide und rot leuchtende Teppiche (aufgrund der herbstlichen Verfärbung von Heidelbeerpflanzen) ging es hinauf zum Mont Lozere unserem höchsten Punkt der Tour mit 1699 Meter. Am Gipfel gab es wieder die verdiente „Pause vor der Pause“. Von hier abwärts ging es auf meist schmalen, oft von Steinmauern eingefassten Wegen, Waldstücken und vorbei an großen Felsblöcken, die wild verstreut in der Landschaft lagen. Bei dem letzten Abstieg nach Pont de Montvert war ich stellenweise froh, dass ich nicht unsere Sitelle führen musste – es war schon ein wenig steil und felsig – da sollte man knapp vor dem Esel gehen und ihn durch schwingen des Führungsseiles davon abhalten an einem vorbeizurennen. Außerdem hatte ich schon den ein oder anderen Rempler mit den Packtaschen ins Kreuz hinter mir. Aber die Eselführerinnen machten das perfekt und ohne Probleme. Schön war der erste Blick, den man auf den kleinen Ort bekam. Dort angekommen wurde er erst mal erkundet – es gab sagenhafte 2 Kneipen und wir konnten uns aussuchen, in welcher wir heute unser Bierchen trinken wollten (für uns mal wieder die volle Ladung Zivilisation ;0)). Und einen sehr gefühlvollen Bäcker soll es dort geben ;0)…. das Glück ihn zu entdecken hatte aber nur eine aus unserer Gruppe – ich war es nicht. Unser Hotel mit total urigen Zimmern lag direkt am Fluss. Auf dem dazugehörigen Balkon des Hotels gab es heute die Lesung aus dem Buch vom Stevenson.

5.Tag 9.September

Auf die Esel mussten wir heute ein wenig länger warten – sie waren oberhalb des Dorfes auf einer Weide untergebracht, durch die auch der offizielle Wanderweg führte. Möglicherweise hatte jemand beim Durchgehen ein Gatter nicht wieder zugemacht. Auf alle Fälle kostete es der Truppe, die die Esel holen wollte einige Mühe sie zu finden. Nachdem doch alle aufgespürt waren konnten wir sie bepacken und loswandern. Wir liefen durch eine grasige, offene Landschaft und später ging es durch Wald mal ein bisschen mehr bergauf, aber unsere 3 grauen Kumpel liefen tapfer – überhaupt könnte ich sie an dieser Stelle echt mal loben – sie waren super brav und sind toll gegangen! Bei unserer heutigen Mittagspause bauten wir aus unseren Packtaschen eine Festung um unser Buffet – in der Hoffnung das Baguette und den Käse mal nicht gegen Pepito, Pistou und Sitelle verteidigen zu müssen. Der Plan ging auf. Nach einer ausgiebigen Siesta ging es weiter zum Signal de Bouges – unterwegs kamen wir an Steinpyramiden vorbei an denen jeder von uns sich ebenfalls durch einen Stein verewigte. Das heutige Etappenziel war Mijavols, wo unser Gite ein wenig außerhalb des Dorfes lag – traumhaft! Die Esel fühlten sich auch sichtlich wohl und wälzten sich sofort im Staub. Im Haus gab es einen „Aufenthaltsraum“ mit einem alten Alkoven – dem Wunsch von einem Gruppenmitglied wurde nachgegeben und die heutige Lesung fand hier statt, damit er im liegen zuhören konnte. Danach ging es gemeinschaftlich ins Dorf zum Essen welches es heute direkt im Haus der Bäuerin gab.

6.Tag 10. September

Wir machten uns auf den Weg nach La Borie – einer Ziegenfarm mit eigener Käserei. Der Weg führte uns u.a. an einer alten Burgruine vorbei – die zu einer kurzen Rast einlud. Hier ließen sich früher bestimmt Burgfräuleins von Rittern retten – heutzutage blöken nur noch Schafe in den Gewölben – aber es ist eine herrliche Anlage – leider ist es für eine ausgedehnte Mittagspause noch zu früh. Der weitere Weg führte uns heute über einen Grat und durch Kastanienwälder. Gegen Nachmittag kamen wir in La Borie an – ich war begeistert – für mich war es die schönste Unterkunft auf der Tour. Das ganze Haus ist sehr verwinkelt und überall kann man alte Gerätschaften und Trödel entdecken. Wir bezogen ein Zimmer unterm Dach mit herrlichen alten Möbeln und schönem Holzfußboden. Mit dem obligatorischen Bier in der Hand dort auf der Terrassenmauer sitzen und die schöne Abendstimmung zu genießen ist wirklich ein Traum. Dort hätte ich es sicherlich noch ein paar Tage ausgehalten. Gegen Abend wurden die Ziegen von der Weide eingetrieben und wir konnten beim melken zuschauen und mithelfen. Die erste Ziegenkäseleckerei (in dem Fall wirklich noch Köstlichkeit!) gab es gleich als Vorspeise – mit Käse und Kräutern überbackene Baguettescheiben – sehr zu empfehlen! Die nach dem Hauptgang gereichte Käseplatte wurde von Olaf schon die ganze Woche angekündigt. Dort lagen Ziegenkäse in allen Altersklassen drauf – bei den ältesten war es von Vorteil, dass man dazugesagt bekam, dass es sich um Käse handelt. Ich ließ mich überreden ein winziges (es war wirklich winzig!!) Stück von diesem Klumpen zu probieren. Bin mir nicht sicher, ob ich die richtigen Worte finden werde….also verkneife ich mir hierzu jeglichen Kommentar. Das kann jeder selber ausprobieren. Es ist auf alle Fälle ein Erlebnis.

7.Tag 11. September

Morgens durften wir nach dem Frühstück mit in der Käserei helfen. Mein Bedarf an Käse war allerdings erst mal für ein paar Tage gedeckt und so hielt ich mich ein wenig im Hintergrund. Aber interessant war es allemal. Das leicht gestörte Verhältnis zu Ziegenkäse hat auch nur 3 Tage angehalten kann ich gleich erwähnen ;0). Etwas später als sonst machten wir uns heute auf den Weg – aber es war ja auch nur eine kurze Strecke bis Florac. Und leider auch schon die letzte. Es kam Wehmut auf. Trotzdem war es wieder ein schöner und spaßiger Tag. Der Abstieg nach Florac war noch mal sehr schön – und die Truppe lief singend und lachend am Zielort ein. Der Abholservice für unsere liebgewonnenen Gefährten war schon bestellt und ich war irgendwie froh, dass ich den Moment verpasst habe als sie verladen wurden. Andererseits konnte ich mich dadurch nur noch kurz durch einen Spalt am Hänger von ihnen verabschieden. Das war schon ein bisschen traurig. Abends waren wir noch ein letztes Mal alle zusammen beim Essen.

Am nächsten Morgen ging alles recht schnell – ein verfrühtes Frühstück war angesagt, da einige Leute es eilig hatten in Deutschland verschiedene Anschlüsse zu bekommen. 2 Taxen brachten uns zum Ausgangspunkt zurück, wo unsere Autos standen. Eine kurze Verabschiedung und eine kleine Träne im Augenwinkel – schade es war vorbei.

Meine Freundin und ich hatten glücklicherweise keinen Stress, da noch eine Woche Urlaub vor uns lag. Wir tranken am Hotel gemütlich einen Kaffee bevor wir uns auf den Weg Richtung Meer machten.

Fazit:

Es war eine äußerst gelungene Urlaubsreise! Das Wetter hat gepasst, die Landschaft war herrlich, mit der Gruppe incl. unserem Reiseleiter hat es Spaß gemacht, die Esel waren einfach nur toll und das Essen war lecker! Obwohl es nur 1 Woche war kam es mir viel länger vor…..ich fühlte mich unglaublich erholt.

Ich werde mich Sicherheit ein „Wiederholungstäter“ und freue mich schon auf eine neue Tour!

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