Trekking Mt. Fansipan – Roof of Indochina von Stephanie S.

Trekking-Tour

Sehr dekadent und uns so voellig unbekannt starteten wir mit einem
klimatisierten Minibustransfer zum Bahnhof in Hanoi (ca. 10 min zu Fuss
entfernt). Dort wurden wir von unserem Reiseleiter (der ausschliesslich fuer die Transfers zustaendig ist) in Empfang genommen und bis in die Kabinen des Nachtzuges nach Lao Cai im Norden Vietnams gebracht. Dass er uns nicht auch noch persoenlich zudeckte, war alles. Die Kabinen im Schlafwagen sind nobler als sich jede DB das traeumen laesst. 2 Betten auf jeder Seite, insgesamt 4 Stueck, mit guten Matratzen, dicken Decken und Kissen, Tischchen, 2 kleine gratis Wasserflaschen, genug Platz um zu sitzen… was will man mehr?

Der Zug tuckelte puenktlich in Richtung Norden los, mit in der Kabine war
ein aelteres Paar aus England, sehr nett und sehr ruhig. Nachdem der
Speisewagen leider ausfiel behalfen wir uns auf die Nacht mit einer
lauwarmen Instantnudelsuppe und Brot, dazu Chips und Cola. Sounds good!!

Morgens puenktlich um halb 6 trafen wir also in Lao Cai an und wurden dort
sofort von unserer naechsten Reiseleiterin in Empfang genommen. Nachdem die
anderen aus unserer Gruppe, die auch nach Sapa wollten, noch was
fruehstuecken wollten, vergnuegte ich mich mit Fotos machen und Ralf sich
mit Hackysack spielen mit einheimischen Maedels – ein Heidenspass!

Weiter gings also mit einem 1h Transfer nach Sapa, Strasse so aehnlich wie
in den Alpen – gut aber kurvig. Die ersten Reisfelder kamen in Sicht, jedoch
leider entweder ausgetrocknet / leer oder schlammig braun. Ist wohl nicht
die Reiszeit gerade. In Sapa gings dann erst mal richtig los, eine Schar der
schwarzen Hmong Frauen kamen schon auf uns zugestuermt als das Auto noch
nicht mal stand. Sie boten Tuecher, Schmuck, Baender und weitere local
handicrafts an. Im Hotel zogen wir uns kurz um und ein wenig spaeter (nach
einer ordentlichen Nudelsuppe natuerlich zum Fruehstueck) gings dann endlich
los zum Tram Ton Pass, dem Startpunkt unseres Fansipan-Trekkings. Unser
Guide, Tuan, war sehr nett und sehr professionell, also erstmal alles in
Butter. Am Tram Ton Pass standen schon die Traeger bereit, zogen erstmal
ausser ihren Tragekoerben auch ein Huhn aus dem Kofferraum – hmmm lecker
unser Abendessen! Kannte ich ja auch schon aus Madagaskar. Ordentlich
verpackt in eine Plastiktuete (!) wurde ausser dem Huhn also auch Zelt,
Schlafsaecke, Essen, Essen, Essen und Geschirr von den zwei Jungs getragen.
Auch sie stoehnten unter der Last.

Frohen Mutes und voller Spannung machten wir also unsere ersten Schritte
Richtung Gipfel! 2 Tage Aufstieg und 1 Tag Abstieg lagen vor uns! Es ging
erst gemuetlich auf und ab durch recht heimisch aussehende Waelder, Laub am
Boden, Wurzeln ueberall – ein netter Fruehlingsspaziergang. Unterwegs trafen
wir auf Maedchen eines Hmong-Stammes, die in einem Fluss nach riesigen
Kaulquappen fischten, die wohl ihre Leibspeise sind… Ich versuchte auch
die ein oder andere zu fangen, der ERfolg war aber nur ein riesen Gelaechter
der Maedels und keine Kaulquappe (gut angesichts der Tatsache, dass ich sie
auch nicht kochen oder essen wollte, nicht so schlimm). Weiter gings durch
Kardamom-Felder, die aehnlich aussehen wie Bananenstauden. Tuan wusste
alles, ein wirklich gut ausgebildeter Guide.

Nach ca. 2 Stunden kamen wir zum Base Camp 1 auf ca. 2200 m. Das sollte die
Station fuer unsere erste Nacht sein!! WAS? Wir sind gerade erst
losgelaufen, schon sollen wir den ganzen sonnigen Nachmittag in einem
stinkigen, dreckigen Muellhaufen verbringen? Hoert sich hart an, und jaja,
ich weiss andere Kulturen und so, aber das Ding war der HIt. Eine Huette zum
Kochen und eine Wellblechhuette zum Schlafen, dazu
braun-gelb-undefinierbares mit durchsichtigem Vorhang verhangenes Klo, 10000
Muecken und kein Schattenplatz. Nach einer kurzen Unterhaltung mit unserem
Guide machten wir hier nur kurz Pause und liefen dann weiter in Richtung
Gipfel, Ziel: Base Camp 2 auf 2800 m, das eigentliche Mittagsziel fuer den
naechsten Tag. Ich sags euch: jetzt gings erstmal richtig zur Sache!! Die
Wanderung vorher war schon leicht anstrengend, aber nach der MIttagspause
gings dann los, wir mussten ueber Felsen kraxeln, Leitern hochklettern (!)
und so einige Balanceakte hinlegen.Oft mussten wir uns stufenweise
hochkatapultieren, STeinbloecke die Mitte Oberschenkel aufhoerten. Immer
wieder hieeeeeeeeeeef auf! Mr. Oberschenkel hatte da natuerlich kein
Problem, ich war dagegen schon leicht angestrengt. Ziemlich abenteuerlich
ging es weiter, wir haben STellen passiert, die ich normalerweise nicht mal
mit dem Hint…Hinterauge angucke, sind Felsen hoch und runter, haben Bambus
als Lianen benutzt – kurz es war der Hammer! Am spaeten Nachmittag kamen wir
dann im Basecamp 2 an, was um vieles besser war als das erste. Ausserdem
waren auch andere Backpacker da und die Stimmung war gleich ganz anders.
Unsere Porter machten sich gleich ans Essen kochen und Ralf und ich
freundeten uns am Lagerfeuer mit ein paar Belgiern und Australiern an.

Das Abendessen wurde in der Schlafhuette der anderen serviert, auf
Bambusstoecken, im Schneidersitz. Die Jungs fuhren komplett auf! Huhn (das
arme, aber das war nach dem Trip eh schon voellig lethargisch), Schwein
(nee, das muessen sie schon in kleinen Stuecken transportiert haben), Hund
(nee war ein Witz), Rind, Gemuese, Bohnen, wasweissich noch alles!! Ach so,
Reis und Reiswein dazu, der Reiswein hat mich fast aus den Latschen gekippt,
konnte ich nicht trinken!! Der war schaerfer als jeder Obstler, der
Wahnsinn. Ich hab ihn dann zurueckgewiesen nach ein paar
Hoeflichkeitsschlucken, worauf der Porter alles einfach wieder in die
Flasche schuettete. Ok. Dann ab ins Zelt, unter Sternenhimmel noch kurz die
Zaehne geputzt und gut Nacht. Es war inzwischen recht kalt, aber mit 5 Lagen
(!) gings dann einigermassen. Leider hatte uns Tuan vorher erzaehlt, dass
sein letzter Gast vor 2 Wochen in dem Camp von ner Ratte in den Finger
gebissen wurde. Ganz klasse, weil ich naemlich mitten in der Nacht tierisch
aufs Klo musste, und ganz sicher hatte ich da nicht nur Angst um meinen
FINGER!!

Aber alles gut gegangen, keine Panik. Am naechsten Morgen, nach viel Sturm
und einigen schlaflosen Stunden, um 7 Fruehstueck (Nudelsuppe natuerlich)
und ab in die Wanderschuhe. Die Belgier liefen gleich mit uns mit, weil ihr
Guide sich wohl am Abend so besoffen hatte, dass er erst gar nicht
aufgestanden ist. Ok, inzwischen waren wir ja auch schon in einiger Hoehe
und das Atmen fiel doch recht schwer. Mit einem Affenzahn jagten die Guides
die Berge hoch, wieder ueber Stock und Stein und gekraxelt ohne Ende. Ganz
unbeeindruckt davon lief ich mein eigenes Tempo, langsam aber stetig. So,
pah! Hat auch gut geklappt, Ralf ist ja auch sehr geduldig, also gabs auch
keinen Stress (den Guide haben wir ja eh bezahlt, der hatte sich ja nach uns
zu richten). Endlose Hoehenmeter spaeter war dann auch der letzte mental am
Ende, es zog sich so ewig dahin. Wohl deshalb weil es so steil war, dass man
mit jedem Schritt fast einen Hoehenmeter zuruecklegte. Das schlimmste war
eigentlich, als wir schon unterhalb des Gipfels waren, mussten wir sicher
nochmal 300 Hm absteigen und nochmal eine Schneise durchlaufen, bevor wir
dann den Rest senkrecht nach oben kletterten. Aber endlich, nach 2 endlosen
Stunden, der GIPFEL! Das Dach Indochinas, mit 3143 m der hoechste Berg von
ganz Indochina! Der Wahnsinn!!!! Alle haben sich unheimlich gefreut, es
wurden Fotos gemacht, Aepfel und Zigaretten ausgepackt. Der Blick war leicht
diesig, man konnte China und Laos erahnen. Egal, das Gefuehl war einfach
unbezahlbar.

Nach einer Pause gings dann den gleichen Weg wieder runter, die Oberschenkel
jetzt mal richtig am brennen. Im BaseCamp gabs dann nur nen Snack und weiter
zum Base Camp 1, wo die Porter wieder Essen machten. Also alles rueckwaerts,
wieder ueber Felsen hoch und runter, Leitern runter, steile Felswaende
entlang… es nahm kein Ende! Nach vielen weiteren qualvollen Stunden kamen
wir doch tatsaechlich am Tram Ton Pass wieder an, eine riesen Freude!! Noch
schnell ein Foto mit der Mannschaft und ab ins Auto nach Sapa zurueck. Ich
sag euch eins, ich hab ja schon die ein oder andere Wanderung oder
aehnliches gemacht ,aber das war die absolut haerteste und krasseste Tour
die ich je erlebt hab!!! SEHR sehr geil, wahnsinns Landschaft, toller Guide, riesiges Abenteuer, aber auch sehr, sehr anstrengend und teilweise auch nicht so ohne. Wir hatten super Glueck mit dem Wetter und dass wir die Wanderung um 1 Tag verkuerzt haben, weil heute Nacht ein riesiges Gewitter runterging, das waere oben richtig bloed geworden. Der Weg war jetzt schon
echt nicht einfach, aber das ganze in nass… lebensgefaehrlich!

Jetzt sind wir dafuer einen Tag laenger in Sapa, haben heute die Stadt der
schwarzen Hmong angeschaut, gehen morgen nach Cat Cat in ein
Minoritaetendorf und fahren morgen abend nach Hanoi zurueck. Dann gehts
gleich morgens weiter in die Halong Bucht, da wird erstmal der Bikini
ausgepackt und entspannt. Heute kann ich naemlich keine Treppe mehr laufen, ich hatte noch nie in meinem Leben einen derartigen Muskelkater!

Dieses Trekkingabenteuer musste ich jetzt mal loswerden, weil es echt der
absolute Hammer war!! Ich hoffe, die Bilder sind gut geworden!!

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